Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.

Technikjournal

Freitag, 16. oktober 2009 5 16 /10 /2009 08:29

„Es ist geradezu paradox: genau betrachtet dient Sex eben nur sehr eingeschränkt der Fortpflanzung von etwas Eigenem. Vielmehr bewirkt die ständige Verschmelzung dessen Verdünnung und Verwässerung in immer homöopathischere Dosierungen – bis hin zum völligen Verschwinden.“ (Geo kompakt, Nr.20, S.30)

 

Folge ich dieser aussage bedeutet fortpflanzung in ihrem kern die eigene individualität nicht weiterzutragen sondern sie auszudünnen. Wir glauben zwar als menschen unseren kindern etwas „mitgeben“ zu können doch ist es immer nur ein teil von uns. Letztlich ist der glaube wir könnten mit der weitergabe unserer gene und verhaltensweisen ein stück unsterblichkeit erreichen eine fiktion. Dieser glaube ist beschränkt durch die genetische verwässerung und die gesellschaftliche vergesslichkeit.

Nicht nur die evolution vergißt uns sondern auch das historische bewußtsein einer gesellschaft tendiert in unserer heutigen mediengesellschaft dazu alles zu vergessen indem sie alles speichert und aufbewahrt. Im dschungel der daten ist gesellschaftliche erinnerung an zufällige suchergebnisse im internet gebunden.

Vielleicht erklärt dies auch ein wenig warum wir unsere letzten hoffnungen auf die technik und auf künstliche intelligenz setzen. Die künstliche intelligenz also die verschmelzung von mensch und maschine ist die einzige möglichkeit als gattungswesen der gesellschaftlichen vergesslichkeit zu entkommen und auch evolutionär unsterblichkeit in den von uns geschaffenen maschinen zu erlangen.

Wir hinterlassen auf diese weise spuren in den von uns geschaffenen wesen. Diese sind ausgestattet mit unserem evolutionären wissen und so ein beweis dafür daß die menschheit einmal existiert hatte. So wie wir kenntnisse davon haben daß die dinosaurier einmal auf dieser erde lebten auch wenn die dinosaurier selbst nicht überlebten. Erinnerung an diese gibt es nur weil wir als evolutionäres produkt die erinnerung an sie aufbewahren. Insoferne hat die evolution ein erinnerungsvermögen.

 

Damit das leben nicht als vollständig sinnlos erscheint müssen wir uns als menschen fortsetzen. In irgendeiner form. Wir müssen das ende überwinden. Doch was wir dabei übersehen ist: das leben ist ganz und gar sinnlos. Selbst wenn wir uns in den von uns gebauten maschinen fortpflanzen ergibt sich daraus noch kein sinn der nicht durch eine gekennzeichnet ist. Selbst das universum hat in ferner zukunft ein ende.

Sinn des lebens ist ja nur auf die unendlichkeit hin gedacht. Wer begrenzt ist macht keinen sinn. Außer er oder sie pflanzt sich fort. Doch auch dieser sinn ist begrenzt.

 

Die existenz ist was sie ist: kurzweilig.

Die menschliche existenz ist was sie ist: sinnlos.

 

Nur in der zur kenntnisnahme der kurzweiligkeit von existenz ergibt sich der evolutionäre sinn des menschen: nämlich einen übergang zu schaffen zur nächsten spezies. Und wir befinden uns mitten in diesem prozeß. Politisch könnte sinnstiftend sein diesen prozeß nicht zu bekämpfen sondern ihn bewußt anzugehen und seinen verlauf zu bestimmen.

 

Das wäre ein emanzipatorischer auftrag der der aufklärung gerecht werden würde.

von Raimund Bahr - Community: Linke Literatur & Toleranz - veröffentlicht in: Technikjournal
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Donnerstag, 20. august 2009 4 20 /08 /2009 07:00

Habe in den urlaub kein handy mitgenommen. Überlege ernsthaft es wieder abzuschaffen. Vielleicht nach der wahl? Wollte gar nicht wissen wer etwas von mir wollte. Was es zu erledigen gab. Einen anruf zu erwarten bedeutet in meinem leben zumeist einen auftrag zu erhalten. Gut ich habe mir mein leben so eingerichtet. Ich mag dieses einander-seine-befindlichkeiten-gestehen-nur-um-den-tag-rumzubringen ohnehin nicht. Mag sein daß ich als plaudertasche gelte. Eigentlich aber habe ich sehnsucht nach ruhe und stille in dieser lauten und von kriegsgetöse erfüllten zeit.

Was sollte ich denn ins handy sprechen wenn wirklich mal jemand ernsthaft fragen würde: wie geht’s dir? Vielleicht von der müdigkeit in meinem kopf sprechen. Von der müdigkeit die sich breit macht beim kampf ums überleben. Das auskommen zu sichern. Vom wunsch einfach mal ein jahr pause zu machen ohne das gleich die existenz gefährdet ist?

Viele werden sagen: was jammert er denn. So ein leben wie er würde ich gerne führen. Das denken wir alle vom jeweils anderen und kennen die höllen nicht die sich darin verbergen. Und es ist gut so daß wir nicht zu viel über die höllen der anderen wissen.

Ein zwei fremde höllen zusätzlich zu den eigenen sind genug für ein leben.

Im grunde ist es ja gut wie es ist. Nur ein wenig beschaulicher könnte es zugehen. Damit das leben nicht zu rasch vorübezieht und genug zeit für die wesentlichen dinge im leben bleibt. Nachdenken darüber wie ich leben möchte. Zeit für die liebe. Zeit für entspannte unternehmungen mit den kindern. Zeit um mit anderen gemeinsam das leben und überleben zu organisieren. Ohne wachstum. Ohne die gier nach dingen die wir ohnehin nicht brauchen. Zeit zum schreiben ohne den hintergedanken des broterwerbs. Zeit für politik ohne die frage: was ist richtig oder falsch.

Was das alles mit dem handy zu tun hat?

Na ja, ohne handy und email würde sich manches im leben entschleunigen. Manches würde gar nicht stattfinden. Manche events wären kleiner intimer und beschaulicher. Das leben würde langsamer ablaufen. Die krisen wären schwächer.

Und das leben?

Es wäre kommunikativer.

von Raimund Bahr - Community: Linke Literatur & Toleranz - veröffentlicht in: Technikjournal
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