Änderungen
Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
lieber armin!
War heute auf dem arbeitsamt.
Habe wirklich einen netten betreuer aber was ich da zu hören bekommen habe war nicht gerade das grüne vom ei. Deiner verzweiflung steht letztlich meine gegenüber. ich weiß daß ist schwer zu vergleichen. Bei dir geht es um das finanzielle überleben. Bei mir geht es um eine lebensperspektive.
Heute war ich kurz davor alles hinzuschmeissen.
Mir macht das alles keinen spaß mehr.
Am horizont dämmert ein zehnwöchiger kurs herauf und eine arbeitsmarktpolitische maßnahme von sechs monaten mit leuten die nicht mehr vermittelbar sind im nächsten sommer in ebensee. Wahrscheinlich werde ich da kleine kistchen zusammenbauen für den nächsten weihnachtsbasar oder ich werde vom arbeitsmarktservice unterstützt straßen zusammenkehren. Alles kein problem. Ich habe schon die beschissenensten jobs in meinem leben gemacht. Auch tellerwaschen ist auf grund der aussage heute morgen in den bereich des möglichen gerückt. Heute haben wir die bandbreite meiner tätigkeiten abgesteckt. liftwärter, regale schlichten, tellerwaschen.
Es geht in den endkampf um die existenzberechtigung jenseits des bloßen überlebens.
Widerstand ist zwecklos. Und dennoch ist widerstand das letzte was mich noch aufrecht hält. Würde ich den widerstand aufgeben wäre es aus und vorbei mit mir. Was bliebe dann noch von diesem leben?
Na ja, die familie. Ja, die bliebe mir. Und es ist gut so daß sie mir bliebe.
Ich könnte mich in der arbeitslosenexistenz einrichten. Vielleicht wäre das eine lösung. Einfach warten was passiert. Tun was sie sagen. Kurse machen. Maßnahmen besuchen. Durchtauchen bis ich fünfundsechzig bin.
Noch achtzehn jahre.
Kann ich das durchhalten?
Ich weiß nicht.
Aber was wäre die alternative?
Empörung. Es gibt wohl nichts lächerlicheres als empörung.
Taten. Na ja, welche? Ich habe zwar eine unglaubliche gewaltrethorik aber es dann zu tun. Ich weiß nicht.
Eines ist klar.
Keine gnade mehr mit den politischen eliten und menschen die dieses system schönreden am leben erhalten oder leidenschaftlich als sozial verteidigen. Gnade haben nur noch die verdient die verstehen was wir meinen wenn wir von der bedrohung der existen auf der persönlichen und gesellschaftlichen ebene sprechen.
Konfrontation wo immer notwendig.
Falls das nicht funktioniert bitte ich dich um nachsicht für alle meine weiteren schritte.
in alter freundschaft
raimuhd
Ich verstehe die ganze diskussion rund um den amoklauf nicht ganz. Vor allem die verwunderung nicht. Sicher ist es ein medienspektakel. tim kann ich mit sicherheit sagen hat es hinter sich gebracht. Alle anderen werden noch jahre daran leiden. Doch seltsam mutet mir die zunahme der amokläufer nicht an.
Eine gesellschaft die in allen wesentlichen lebensbereichen auf gewalt basiert darf sich nicht wundern wenn manchmal menschen diese gewalt selbst ausüben wollen oder aus innerem drang heraus müssen. Nichts anderes ist ja die öffentliche debatte über die staatssicherheit. Wir müssen uns mit milität verteidigen. Wir müssen uns doch gegen terroristen wehren.
Vielleicht empfand tim die gesellschaft als terrororganisation. Vielleicht empfand tim die anderen menschen als bedrohung. Vielleicht war er ja auch nur vernachlässigt. Und vernachlässigung bei kindern ist auch eine form der gewaltausübung.
Seien wir doch nicht so selbstgerecht. Verurteilen wir nicht vorschnell menschen die nichts anderes tun als legitimierte staatsorgane auch. Nämlich zur waffe zu greifen und das gewaltmonopol zu brechen. Ich bin nicht der meinung daß das ein guter weg ist. Aber es ist auch kein guter weg waffen zu produzieren sie zu verkaufen und sich dann zu wundern wenn sie von den menschen eingesetzt werden.
Liebe leute nehmt euch in acht vor denen die da noch kommen werden. Ich habe schon damals als ich noch in der großen stadt lebte gemeint in jedem ubahnwagen sitz ein potentieller amokläufer. Nur gesellschaftliche schranken ängstlichkeit und geistige armut hält die menschen davor ab loszuschlagen. Die möglichkeit der gewaltanwendung sind vielfältig. Nur eine erziehung die gewalt nicht verherrlicht oder als notwendiges übel darstellt kann fälle wie tim verhindern.
Eines hat tim jedenfalls geschafft. Er hat eine medienpräsenz die kaum ein anderer von uns erreichen kann. Egal ob er in der politik kunst oder wissenschaft tätig ist.
Täuschen wir uns nicht. Es werden noch viele amokläufer terroristen und kriege kommen.
Warum?
Weil sie medien-gerecht sind.
Während bei uns in Europa allüberall die Kerzen am Baum vom Fest der Liebe kündeten, wurde in Gaza der Friede abgefackelt. Typisch für unsere Zeit, wie ich denke. Dort, wo das Licht der Welt auf uns gekommen ist, wird gestorben und getötet. Ich will mich hier nicht mit der historischen Bedeutung dieses Konfliktes beschäftigen, vorangegangenen Ungerechtigkeiten, seltsamer Siedlungspolitik, europäischen Hegemonialansprüchen oder krudem Kolonialismus.
Die Sache ist eigentlich banal. Raketen auf Israel: fatal. Bombardierungen und Panzerattacken in Gaza: unverhältnismäßig. Von 500 Toten ist die Rede und das allein auf palästinensischer Seite.
Wie alle immer wieder betonen, wird es keine Sieger geben. Diese neuerliche Eskalation des Konflikts hin zu einem Bodenkrieg wird nur weiter Tote produzieren, neue psychische Verletzungen und neue kriegerische Ereignisse vorbereiten. Die Verlierer im heutigen Konflikt sind die Toten von Morgen.
Israelis und Palästinenser sind nicht in der Lage, das historische Erbe des Konflikts abzustreifen, um Frieden zu schließen. Hier wirkt ein Phänomen, das stärker ist als alle Vernunft: kollektive Blutrache. Für einen getöteten Israeli müssen dutzende Palästineser bluten. Warum? Welche Logik zwingt die Israelis und Palästinenser sich gegenseitig abzuschlachten? Das Existenzrecht Israels? Seit wann hat ein Staat mehr Existenzberechtigung als seine Bürger?
Ach, ich vergaß: Bürger wachsen nach, Staaten werden höchstens geteilt, aufgelöst und sind so für lange Zeit verloren. Da fällt mir spontan der Satz von John F. Kennedy ein: „Frag nicht, was dieses Land für dich tun kann, sondern frag dich, was du für dein Land tun kannst.“
Auch Kennedy hat Staaten, Länder, Gemeinschaften über das Wohl des Einzelnen, seine Bedürfnisse gestellt. Ist die Gemeinschaft bedroht, müssen die Bürger ran und Blutopfer bringen.
Ich halte das für ein Grundproblem aller kriegerischen Konflikte. Erst wenn wir bereit sind, die Menschheit als ganzes, als die einzige Gemeinschaft anzuerkennen, die es zu verteidigen gilt, werden Kriege enden. Nur wenn wir in der Lage sind den anderen, den Feind, den Gegner als Teil der eigenen gesellschaftlichen Kultur anzuerkennen, wird gesellschaftlicher Mord – und Krieg bedeutet nichts anderes – sanktionierbar.
Es ist unmöglich in kriegerischen Konflikten zu entscheiden, wer recht hat, wer die legitimen Waffen besitzt. Recht ist im Krieg undenkbar. Jeder Krieg ist widerrechtlich, weil er das Überleben auch derer bedroht, die er vermeintlich verteidigen möchte.
Wir werden in den künftigen Konflikten in Kleinasien noch zahlreiche Tote sehen. Heute, Morgen und in naher Zukunft, weil keine der Parteien in der Lage ist, über das historische Unrecht an der eigenen Gemeinschaft hinwegzusehen und den anderen als Teil eines größeren gemeinsamen Gemeinswesens zu betrachten.
Wo Feinde leben, herrscht Krieg.
Wo Freunde zusammenkommen, wäre Friede möglich.
Der konventionelle Krieg erlebt seine Renaissance. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat die Angst vor einem heißen Krieg abgenommen, weil die Bedrohungslage durch einen Atomkrieg beseitigt scheint. Oder haben wir uns nur daran gewöhnt, weil er bisher ausgeblieben ist? Vertrauen wir den Atommächten einfach mehr?
Tatsache ist, daß der konventionelle Krieg wieder Zulauf erhält. Der Krieg zwischen Nationen ist dabei abgelöst worden von einem Krieg den Nationen gegen marodierende Gruppen führen, die sich nicht mehr an nationale Grenzen halten. In diesem Sinne folgt auch die kriegerische Auseinandersetzung der Globalisierung. Globale Konzerne scheren sich längst nicht mehr um nationale Grenzen, warum sollen es die Diebe, Räuber und Widerstandskämpfer tun?
Die Reaktion der Staatsmacht ist hilfloser als je zuvor.
Sie erklären Piraten, Drogenbanden und Fundamentalisten den Krieg. Was für ein Unsinn. Durch konventionelle Kriege ist diesen Gruppierungen nicht beizukommen. Nur eine sozial, wirtschaftlich, ökologisch und ideologisch gerechtere Welt wird den Zulauf zu diesen Gruppen stoppen.
Was jedoch derzeit passiert, ist die Globalisierung des Krieges.
Die Welt ist nicht friedlicher geworden.
Wir befinden uns bereits im dritten Weltkrieg, nur sieht er anders aus, als wir besser dachten: es ist ein konventioneller Krieg geworden, keine atomare Auslöschung.
Der konventionelle Krieg, den Europa überwinden wollte, weitet sich gerade aus. Und wir Europäer spielen dabei auf seltsam vertraute Art und Weise eine gewichtige Rolle. Wir militarisieren uns mit einer Selbstverständlichkeit, die aus unserer kriegerischen Geschichte resultiert. Die Generationen haben sich von den Kriegserfahrungen des 20. Jahrhunderts abgekoppelt. Für die Menschen von heute ist ein konventioneller Krieg für eine gerechte Sache wieder denkbar.
Das wird die eigentliche Katastrophe des 21. Jahrhunderts werden: Der dritte, der ewige Weltkrieg.
Der zweite Weltkrieg war beendbar, weil es einen eindeutigen Feind gab. Heute wissen wir nicht mehr wer den dritten Weltkrieg beenden werden wird, weil alle Nationen, die das könnten, in einem Krieg für die Gerechtigkeit involviert sind, weil sie Kriegsparteien in diesem dritten Weltkrieg sind.
Die Feinde sind immer die anderen.
Und die UNO als Weltfriedensmacht spielt in diesem Krieg mittlerweile eine sehr zynische Rolle. Eben wurde das Mandat erteilt, gegen die Piraten vor Somalia auch auf dem Festland vorzugehen, sofern Somalia das zuläßt und das alles im Namen der Befriedung der Region.
Die Krieg wird ausgeweitet – allüberall.
Wir in Europa tun so, als ginge uns das alles nichts an. Wir beschränken uns darauf Waffen zu liefern, Hilfspersonal und Sanitäter. Wir kommen nicht mal in den Verdacht mit der Ausweitung des dritten, konventionellen Weltkriegs auch nur irgendetwas zu schaffen zu haben.
Das ist ein Irrtum.
Irgendwann wird es auch uns treffen.
Das ist nur eine Frage der Zeit.
Herbert Zands Buch „letzte Ausfahrt“ kreist vor allem um die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten bietet der Krieg einem Menschen an, um der ausweglosen Situation, in die er geraten ist, zu entkommen.
Die Kommandokette
Im Krieg schränkt zu allererst eine lückenlose Kommandokette die Entscheidungen des Soldaten ein, die aber in Herbert Zands Augen nichts weiter ist, als Terror. Auch wenn dieser Terror das soziale Gefüge zusammenhält. Solidarität, wenn sie denn doch einmal möglich wird, gilt als heldenhaftes Verhalten, kostet dem Solidarischen aber zumeist das Leben. Jede Kategorie, die im zivilen Leben von Bedeutung war, begann sich im Krieg aufzulösen, egal auf welcher Seite und für welches Ziel gekämpft wird.
Zu dieser Ausweglosigkeit in der einzelnen Situation scheint der Krieg auch kein Ende zu nehmen. Obwohl wir alle wissen, daß Kriege nicht zu gewinnen sind, ein Sieg immer nur ein Übergang zu einem neuen Krieg darstellt, führen wir noch immer Kriege. Es herrscht der ewige Krieg. In der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts und auch des beginnenden 21. Jahrhunderts ist der „Friede immer geschieden“ wie Günther Anders schreibt. Kriege müßten längst der Vergangenheit angehören und dennoch gehen sie munter weiter. Das ist die absurde, existentielle Situation, in der sich die aufgeklärte Gesellschaft befindet und dieser Widerspruch wurde auch nie beseitigt.
Das Individuum
Und der Einzelne ist dieser Situation in einer vollständig individualisierten Gesellschaft ausgeliefert. Samuel Beckett schrieb in seinem Endspiel: „Ende. Es geht zu Ende. Es geht vielleicht zu Ende.“ Im existentiellen Sinne geht der gesellschaftliche Wahnsinn nach dem Tod des Einzelnen weiter und der Wahnsinn besteht ja auch darin, daß er nicht weiß, ob er jemals enden wird. Der Mensch wünscht sich zwar das Ende herbei, aber hartnäckig muß er jeden Tag, jede Stunde und jede Minute weitermachen, will er nicht als fahnenflüchtig gelten. Ein Mensch, der auf das Kollektiv hin lebt, kann sich aber auch nicht selbst umbringen, denn mit dem individuellen Tod, endet ja nur die eigene ausweglose Existenz. Die anderen lassen wir damit ja in ihrem Kessel zurück. Der Solidarische hat gar nicht die Möglichkeit sich umzubringen, ohen sich neuerlich schuldig zu machen. Insofern geht der Krieg natürlich auch nach dem Tod des Helden weiter. Diese Erfahrung machen wir täglich, stündlich, in jedem Moment unseres Lebens.
Ausfahrt ohne Umkehrmöglichkeit?
Der Hades, der Krieg in Rußland, dem Herbert Zand entkommen ist, wird für ihn zum Sinnbild der ausweglosen Existenz des Menschen an sich. Und das allein deswegen, weil zwei sich anbietende Handlunsgvarianten, die im zivilen Leben normalerweise tauglich sind, um einer Notstandssituation zu entkommen, im Krieg völlig sinnlos geworden sind: Auflehnung und Passivität. Die Auflehnung führt den Krieg weiter, die Passivität verhindert ihn nicht. Eine solche Situation läßt sich letztlich nur dadurch verhindern, daß wir erst gar nicht in sie hineingeraten. Doch ist das überhaupt möglich in einer gänzlich militarisierten Gesellschaft, in der Zivilgesellschaft und Militarismus über die Wirtschaft deratig eng miteinander verwoben sind? Noch dazu in einer Situation wie heute, wo die technologischen Entwicklungen die Möglichkeit eines „sauberen“ Krieges unterstellen?
Günther Anders, der ja zwei Kriege überstanden und sich sein Leben lang mit diesen Fragen beschäftigt hat, kommt am Beginn seiner schriftstellerischen Karriere (1928) ebenfalls zu einer existentialistischen Weltanschauung. Seiner Meinung nach ist der Mensch in seiner Existenz dazu verdammt, permanent alles ausführen zu müssen, was er sich in seiner Vorstellung ausdenken kann. Er ist durch seine Künstlichkeit geprägt und dadurch frei. Doch diese Freiheit entfremdet ihn auch von der Welt, macht ihn weltfremd. Vielleicht gelingt es ihm deswegen auch all diese Zerstörungen anzurichten, dem Menschen all das an Grausamkeiten anzutun, was er sich in seiner Freiheit ausdenken kann. Nicht zum Zwecke der Selbsterhaltung, sondern zum Zwecke der Selbstvernichtung. Selbstbeschränkung ist dem Menschen durch die natürliche Begabung zur Künstlichkeit nicht möglich. Erst die intellektuelle, vernunftgesteuerte Tat kann ihn vor seiner eigenen Produktivität retten. Im Krieg bedeutet seine Produktivität nämlich das Ermnorden von Menschen, in zahllosen Varianten, auf leider nur allzu menschliche Weise.
Entmilitarisierung als letzte Ausfahrt
Der Humanismus, die Aufklärung waren nach einer Periode europäischer Vernichtungsfeldzüge nach Innen wie nach Außen, Versuche, diese Produktivität zu zähmen und endeten im Ersten und Zweiten Weltkrieg in gesellschaftlichen Katastrophen. Die Konsequenz daraus war jedoch nicht, den Krieg ein für allemal zu beenden, sondern ihn nur nicht mehr bei uns stattfinden zu lassen. Wir haben nach dem Krieg nicht konsequent entmilitarisiert, sondern die Militarisierung unter dem Aspekt der Verteidigung betrieben. Wie schnell aber aus einem Verteidigungsministerium ein Kriegsminsiterium oder Heimatschutzministerium werden kann, haben wir auch in den letzten sechzig Jahren oft genug erlebt. Militaristische Systeme lassen sich nur durch die konsequente Abrüstung, den konsequenten Ausstieg aus allen Waffentechnologien erreichen. Das ist meine ganz persönliche Lehre, die ich aus meiner Lektüre von Antikriegsliteratur gezogen habe. Herbert Zand war dabei hilfreich und ein Meilenstein, um zu begreifen, wie grauenvoll und ausweglos uns diese militaristische Gesellschaft machte und auch in Österreich weiterhin macht. Die Existenz erhält nur im Gedanken der Deeskalation, in der Entmilitarisierung einen Sinn, selbst wenn danach noch immer die Ausweglosigkeit des natürlichen Todes steht.
Mit dieser könnte ich leben.
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