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Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
Wenn der tod auf einen zukommt ist es einfach nicht möglich weiterzumachen wie bisher. Wer es trotzdem tut kann nicht erwarten zu bekommen was er erhofft.
Mein vater wird sterben in drei wochen in zehn monaten oder in drei jahren.
Doch er ist nicht bereit zu tun was notwendig wäre um den respekt seines sohnes für sein leben zu erlangen.
Das ist das eigentlich tragische an unserer existenz: wir können den höllen der kleinfamilie bis zu unseren letzten tagen nicht entrinnen.
Was soll einer wie ich dazu sagen?
Der tod hat mein bisheriges leben verschont. Niemand der mir wirklich nahestand ist bisher gestorben. Meist war ich bei den toden in meiner familie nicht anwesend.
Doch je älter ich werde desto mehr beschäftigt er mich – der tod.
Nicht der technische tod. Wenn eine flugzeugdüse aussetzt.
Nicht der gesellschaftliche tod der mich durch krieg hunger oder folter treffen kann.
Nein. Es ist der ganz persönliche eigene einsame tod. Der tod den die meisten in unserer wohlstandsdemokratie ereilt.
Die letzten fünf minuten beschäftigen mich.
Die letzten fünf minuten vor dem ende. Vor dem nichts. Vor dem punkt an dem wir uns selbst wie nie dagewesen erscheinen werden.
Alles was ich einmal gewesen bin wird dann ausgelöscht sein.
Ich bin ein glücklicher mensch aber nicht fortschrittsgläubig.
Ich bin ein durchaus fröhlicher mensch aber nicht autoritätshörig.
Ich bin ein kleinbürgerlich lebender aber anarchistisch denkender mensch.
Ich bin nicht pessimistisch was die Welt betrifft glaube aber nicht an die existenz gottes.
Ich mag die Hoffnung nicht weil sie ein passiver impuls ist.
Ich liebe die gesellschaftliche kritik weil sie mich zu aktiven politischen handeln führt manchmal auch gegen die mehrheitsmeinung.
Ich bin engagiert weil ich ein moralist bin.
Ich bin der meinung daß moral nur dort notwendig ist wo die gesellschaft nicht in ordnung ist. Wo moral nicht notwendig ist ist die gesellschaft im gleichgewicht.
Ich weiß ich bin auf einem urlaub vom nichts.
Sollte ich aber eines schönen, stürmische, regenrischen tages vor der himmelstüre stehen werde ich mich umsehen und fragen wo ist der stuhl zu rechten seite gottes. Ich werde mich darauf niederlassen und mal grundsätzlich diskutieren ob der himmel demokratisch antirassistisch antisexistisch antimlitaristisch friedlich und kernwaffenfrei organisiert ist.
Sollte dem nicht so sein werde ich gott radikal auch im himmel in frage stellen ob es nun den katholiken muslimen juden oder sonstwem gefällt oder nicht. Sollte gott ein patriarch sein, wird er von mir keine gnade zu erwarten haben. Im himmel schon gar nicht weil da bin ich dann schon tot und habe nichts mehr zu verlieren.
Friedhöfe sind kein Ort des Schreckens, sondern der Stille, der Ruhe und der Einkehr. Ich gehe ungern auf Begräbnisse, aber gerne auf Friedhöfe. Das aufgeregte Getue, wenn ein Mensch stirbt, finde ich abstoßend.
Oftmals hatten sie als Lebendige kaum eine Bedeutung, aber im Tod erhalten sie ein Gewicht, das ihnen als Lebende nie zugekommen wäre. Dieses Gewicht lastet schwer auf allen Begräbnissen. Diese Schwere über den Särgen und Grabsteinen ist, was mich so schreckt, was mich zögern läßt, was es mir schwer macht, mich ehrfürchtig vor den Toten zu verneigen.
Für mich sind die Toten meines Lebens allgegenwärtig.
Jeden Tag, jeden Orts. Ich brauche keine Friedhöfe, um mich an sie zu erinnern. Ich will sie nicht an diesen Ort bannen.
Ich fürchte die Toten nicht.
Ja, wie ist das mit dem Trauern?
Kann es uns tatsächlich noch gelingen, um die Welt zu trauern oder ist nicht gerade das viel einfacher, als um einen einzelnen Menschen zu trauern. Sind wir deshalb vielleicht wegen der Klimakatastrophe so aufgeregt, weil es einfacher ist, sich um den Untergang der Menschheit zu sorgen, als um den Tod von ein paar Kindern in Zentralafrika?
Und wenn ja, wie soll das weitergehen?
Was machen wir mit all den Toten, die wir jeden Tag über den Bildschirm ins Haus geliefert bekommen, wahrscheinlich pro Jahr mehr, als im Zweiten Weltkrieg in einem Jahr ums Leben gekommen sind.
Was machen wir mit all den Toten, die uns in den Zeitungskiosken entgegentreten?
Trauer wird da wohl zu wenig sein.
Aber es wäre doch zumindest ein Beginn.
Der erste Schritt zum aktiven Widerstand gegen die Produktion von Toten durch eine Zivilisation des Todes.
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