Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.

Verlegerjournal

Donnerstag, 1. oktober 2009 4 01 /10 /2009 09:39

Im neuen SPIEGEL [40/2009] einen artikel gefunden über das verhältnis eines verlegrs zu seinem autor und umgekehrt. Siegfried unseld (verlagsleiter suhrkamp) und max frisch treffen 1971 in new york aufeinander. Was folgt sind eine menge mißverständnisse.

Für mich ist dieser Artikel deshalb spannend weil er mich berührt hat. Es ist die darstellung eines verlegers über das zusammentreffen mit seinem „schützling“. Die frage die darin thematisiert wird was darf sich ein autor gegenüber einem verleger leisten? Wie sehr muß sich ein verleger von seinen autoren demütigen lassen? Wie weit darf das genie gehen?

Davon kann ich ein lied singen. Wie grenzen wir verleger uns von den autoren ab? Was lassen wir uns gefallen? Eigentlich sind wir ihnen ja auch ausgeliefert. Wir sind auf ihre texte angewiesen. Aber dennoch bleibt: wenn es mehr sein soll als eine bloße arbeitsbeziehung dann von beiden seiten der arbeit des jeweils anderen entgegengebracht werden.

Ich kann siegfried unseld gut verstehen.

von Raimund Bahr - Community: Linke Literatur & Toleranz - veröffentlicht in: Verlegerjournal
Kommentar hinzufügen - empfehlen - Kommentare (0)
Freitag, 10. juli 2009 5 10 /07 /2009 09:02

Verlegen ist ein überaus interessantes wort.

In einem verlag werden bücher verlegt und meint damit sie hervorzubringen. Verlegen als zur kenntnis bringen. Texte öffentlich und damit zugänglich machen.

Im alltag hingegen bedeutet verlegen etwas zu verbergen. Etwas nicht mehr auffinden zu können. Den Ort an dem es sich befindet vergessen zu haben.

In liebesdingen hat das wort die bedeutung von schamhaftigkeit oder unsicherheit anderen menschen gegenüber. Es drückt ein wollen aus das nicht so richtig frei sein kann.

Vielleicht ist es ja auch diese mehrdeutigkeit der sprache die mich am schreiben so fasziniert. Eine mehrdeutigkeit die auf die mehrdeutigkeit der existenz verweist. Sprache bedeutet existenz. Wie das leben ist auch de sprache nicht eindeutig. Sie wäre ja sonst einer mehrdeutigen existenz gar nicht gewachsen.

Gleichzeitig ist aber die mehrdeutigkeit von existenz und sprache auch das größte problem und die größte herausforderung für die menschen. Genau auf grund der merhdeutigkeit kommt es tag für tag zu tausendfachen mißverständnissen. Kein wunder wenn zwei mehrdeutige existenzen aufeinandertreffen die sich zweier unterschiedlicher und mehrdeutiger sprachgebräuche bedienen.

Da sist die eigentliche tragik abendländischer kultur: sie will die mehrdeutigkeit von sprache und existenz nicht anerkennen. Sie sucht nach eindeutigkeit wo keine zu finden ist.

In dieser suche nach eindeutigkeit wird sie letztlich auch untergehen.

von Raimund Bahr - Community: Linke Literatur & Toleranz - veröffentlicht in: Verlegerjournal
Kommentar hinzufügen - empfehlen - Kommentare (2)
Donnerstag, 9. juli 2009 4 09 /07 /2009 09:04

Ich weiß nicht ob es oft passiert daß ein verleger gleichzeitig ein autor sein will. Aus der not der letzten jahrzehnte sind solche existenzen vielleicht öfter hervorgegangen wie der literaturszene gut tut. Es ist schwierig beide existenzen des literaturbetriebes unter einen hut zu bringen. Schließlich will ich ja beide funktionen gleich professionell betreiben. Und als verleger bin ich ja dazu gezwungen permanent mit anderen autoren und autorinnen zu kommunizieren oft auch ihre schriftstellerische kompetenz anzuerkennen. Das tut dem selbstbewußtsein des autors in mir nicht immer gut auch wenn es meinem schreiben nützt. Autoren sind zudem unglaublich fordernd wenn es um ihre eigenen werke und ihre ansprüche an einen kleinverleger wie mich geht. Sie verlangen wie selbstverständlich all das von ihrem verleger was sie gleuben mit fug un drecht als inhaber ihres geistigen eigentums erwarten zu können. Ich denke sie hätten recht wenn die welt noch so funktionieren würde wie im zwanzigsten jahrhundert.

Es ist seltsam als verleger immer auf der suche nach guten büchern zu sein die ich als autor immer selbst geren geschrieben hätte. Ablehnungen zu verteilen die ich selbst ungern von einem verleger hören will. Lob zu geben von dem ich oft glaube es würd emir zustehen.

Und dann gibt es tage da erhebe ich als verleger gegen mich selbst als autor ansprüche und frage mich: darf ich diesen text von mir verlegen? Werden sie nicht wieder über mich herfallen und sagen: hat er wieder keinen anderen verlag für seine bücher gefunden? Muß er wieder alles selber publizieren?

Die frage ist doch aber: warum habe ich einen verlag gegründet?. Sicher nicht um reich zu werden. Aber auch nicht um dann meine eigenen texte meine eigenen urheberrechte an einen anderen kleinverlag oder mittelverlag abzutreten und sie dort verkommen zu lassen. Da ist es schon besser die bücher verstauben bei mir im büro. Da weiß ich zumindets daß sorgsam mit ihnen umgegangen wird. Gekauft werden sie ja da und dort nicht.

Letztlich ist es wie in jedem anderen geschäft: der autor schreibt der verleger besitzt am schluß das produkt. Ich bin letztlich trotz aller schwierigkeiten in eine beneidenswerte lage geraten: ich schreibe und verlege.

Manchmal auch meine eigenen texte.

von Raimund Bahr - Community: Linke Literatur & Toleranz - veröffentlicht in: Verlegerjournal
Kommentar hinzufügen - empfehlen - Kommentare (0)
Donnerstag, 4. dezember 2008 4 04 /12 /2008 07:00

Endlich einmal ein wenig Zeit zum Nachdenken. Was könnte im Verlag alles möglich sein, wenn wir nur einen Bruchteil des Geldes zur Verfügung hätten, das andere haben. Wir könnten Autoren und Autorinnen endlich so dotieren, wie es ihnen auf Grund ihrer Produktivität zukäme. Im Augenblick versandet und versickert die meiste Ökonomie in den Strukturen der österreichischen Mittelverlage.

Wodurch rechtfertigen die denn ihre hohen Subventionen? Arbeiten sie effizienter als unsere Edition? Keineswegs. Machen sie spannendere, unentbehrlichere, wichtigere Bücher als unser Verlag? Ich glaube nicht. Tun die Verlage etwas für den kulturpolitischen Diskurs? Selten, wie ich denke.

Wie kommen die massiven Unterstützungen und die gegen Null tendierenden Zuschüße der Kleinverlage zustande?

Ich hätte da ein paar Erklärungen anzubieten:

 

Sie sind einfach schon lange da. Die Leiter/innen dieser Verlage haben sie oft auch gegründet, damals in den goldenen Zeiten der Literaturförderung. Jetzt sitzen sie auf ihren Pfründen und stopfen sich ihre Häuser und Prachtburgen mit allerlei unnötigem Tand voll.

In den Ministerien herrscht schon lange kein visionärer kulturpolitischer Geist mehr, der sich auch um einen Generationenausgleich bemühen könnte. Hier wird nur noch der Notstand verwaltet und es wereden alte Seilschaften bedient. Beamte mit gutem Willen und Weitblick sind rar und haben oft keine Chance an ihren Vorgesetzten vorbei zu kommen. Die großkoalitionären Verhältnisse führen zur weiteren Zementierung der ungerechten Verteilung der Ökonomie im Kulturförderungssystem.

Was aber noch viel schwerer wiegt: Es gibt keinen Widerstand dagegen. Die Grünen haben als einzige Vision mehr Geld. Das löst aber das Problem nicht. Es geht um eine gerechtere Verteilung, um neue Verteilungsschlüssel. Die Sozialdemokraten sind mittlerweile unglaubwürdig, weil sie seit Jahren etwas in ihren Ministerien ändern könnten und es doch nicht getan haben.

Und die Verlage selbst? Die meisten von ihnen zeigen nur wenig Willen zur Veränderung. Die großen haben kein Interesse an einer Reform, aus der sie als Verlierer hervor gehen würden. Die mittleren schielen ängstlich auf die geringer ausfallenden Subventionen und haben Angst diese zu verlieren, wenn sie aufbegehren. Und die kleinen sind herorisch, wurschteln vor sich hin und halten ihre Unabhängigkeit hoch, weil ihnen das einen Anstrich von Heldenhaftigkeit gibt, vielleicht auch eine Art Glücksgefühl.

 

Was für einen Schluß soll ich daraus ziehen?

Schluß machen? Aufhören?. Keine Bücher mehr produzieren? Mir irgendwo einen Job suchen und mich in die Schwachsinnigkeit begeben, das Leben abwickeln und zusehen, daß ich auch ohne Bücher in Würde alt werden kann? Die Bücher und die Autor/inn/en einfach sich selbst überlassen.

Oder mich engagieren und aufzeigen, daß dieses System falsch, ungerecht und träge ist. Aufbegeheren, Stimmung machen, sich vernetzen und als kleiner Verlag selbstbewußt Forderungen erheben, nicht nur in meinem Büro, bei den Redaktionsbesprechungen, sondern öffentlich und lautstark.

 

Voraussetzung ist ein klares Konzept. Das wäre zu erarbeiten, in einer Gruppe und einer Ministerin vorzulegen, begleitet von Presse- und Lobbyarbeit. Ja, manchmal, wenn ich in meinem Verlegeralltag Zeit finde, gehen mit mir schon mal die Visionen durch und plötzlich tut sich ein politischer Handlungsansatz auf, auch für mich als Verleger.

 

Ein Diskussionsvorschlag zur Reform der Literaturförderung folgt hier in Kürze.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Verlegerjournal
Kommentar hinzufügen - empfehlen - Kommentare (0)
Donnerstag, 27. november 2008 4 27 /11 /2008 07:00

Sollte seit zwei Wochen mit zwei Manuskripten durch sein. Das Lesen fällt mir im Moment schwer. Nicht, weil ich die Texte schlecht finde, sondern weil mich eine gewiße Leseerschöpfung erfaßt hat. Nicht weil mich das Leben als Kleinverleger erschöpfen würde oder das des Autors oder das des politisch aktiven Menschen oder des Familienvaters oder des Wissenschafters oder des Bloggers.

Manchmal habe ich Sehnsucht nach den schönen Zeiten, als es den Menschen noch erlaubt war, einer Arbeit nachzugehen. Das waren noch schöne Zeiten, als die Menschen es sich noch leisten konnten, nur einen Beruf zu erlernen und den ihr Leben lang auszuüben. Ihn nur wechseln zu müssen, wenn sie selbst das wollten.

Heute ist mir das nicht mehr vergönnt.

Die ökonomischen Zwänge, auch der Wunsch eine Familie zu gründen, eine zu haben und sie weiterhin mit all dem Nötigen und Unnötigen Kram der Dienstleistungs- und Werbegesellschaft zu versorgen, macht es notwendig, mehrere Berufsprofile zu entwickeln.

Daraus ergibt sich manchmal eine tiefe Erschöpfung, die mich als Kleinverleger heimsucht. Die Erschöpfung, die aus der immerwährenden Suche nach neuen ökonomischen Quellen resultiert, um all die Bedürfnisse der am Verlag hängenden Personen zu befriedigen. Die Möglichkeiten hinken leider immer hinter den Notwendigkeiten her.

Im Hades der Realwirtschaft, des realen Kapitalismus bleibt uns allen gar nichts anderes mehr übrig, als uns jedes Jahr neu zu erfinden. Und es werden immer mehr Menschen, die diesem Zwang unterworfen sind.

Ich gelobe Besserung, sobald ich wieder fit bin.

Ich werde mich wieder leidenschaftlich in die Manuskripte meiner Autoren und Autorinnen vertiefen, wenn ich in der Lage bin, zu erfassen, was sie mir mitteilen wollen. Ansonsten kann es ja auch passieren, daß ich was übersehe, was vielleicht ein Recht hätte, zwischen zwei Buchdeckel gedruckt zu werden.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Verlegerjournal
Kommentar hinzufügen - empfehlen - Kommentare (0)

Befreundete Blogs

Erstellen Sie einen Blog auf OverBlog - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Missbrauch melden - Articles les plus commentés