Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Donnerstag, 22. oktober 2009 4 22 /10 /2009 09:00

Um das grandiose panorama einer winterlandschaft zu genießen muß ich nicht auf sportgeräte zurückgreifen. Eine schneewanderung per pedes tut es auch. Vor allem nachts wenn alles ruhig ist und nur mehr wenige lichter in den häusern leuchten macht das spuren ziehen besonders viel spaß. Wenn die schneekristalle unter den schuhen knirschend zerbersten. Oder alleine am seeufer entlang zu spazieren. Gut verpackt und warm gehalten.

 

Vor allem einer wie ich der in einem sommertourismusort wohnt weiß die stille des winters zu schätzen. Auch wenn sie einem nach und nach durch den ganzjahrestourismus geraubt wird. Jänner und februar sind die einzigen monate in denen ein rückzug noch möglich ist. Wer im sommer in der flut der menschen zu ersticken droht genießt die stille des winters.

 

Ich habe nicht das bedürfnis mich in die wintermassen zu stürzen. Mich an skiliften hinter deutschen und holländischen gästen einzureihen. Mich als tourist auf skihütten herumzutreiben und die berge unsicher zu machen. Ich wäre nicht besser als die sommerhorden bei uns.

 

In unserer heutigen massentouristischen zeit sehne ich mich nach einsamkeit. Viele sind süchtig geworden nach der massenkultur. Nicht nur die interntegeneration die ganze hallen füllt um miteinander zu spielen. Die menschen sind süchtig nach spielen. Süchtig nach sport. Süchtig nach restaurantbesuchen. Süchtig nach musik. Süchtig nach filmen. Neben all diesen süchten und den kosten die dadurch verursacht werden nimmt sich die drogensucht noch als eines unserer geringsten gesellschaftlichen probleme aus.

 

Und ich nehme mich selbst nicht dabei aus.

Auch ich bin süchtig. Süchtig nach ruhe. Süchtig nach stille. Süchtig nach langsamkeit. Süchtig nach beschaulichkeit. Süchtig nach nächtlichem schneefall. Süchtig nach der ersten spur im schnee. Süchtig nach einkehr. Süchtig nach einem leben und denken das jenseits der massenkultur möglich ist.

von Raimund Bahr - Community: Linke Literatur & Toleranz - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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Kommentare

Wie recht du hast, Raimund. Und doch laß dir sagen, wie gefährlich es ist, in Abkehr leben zu wollen. Nimm für die Ruhe den Wald. Nimm für die Suche das Wort Schnee. Aber laß dir sagen: Auch ich bin süchtig nach all dem. Nur schere ich wieder rasch aus, wenn die Ruhe Oberhand gewinnen will. Denn ich weiß mich im Zirkel der Jahreszeiten von der kalten bevorzugt und allzeit herzlich umfangen: Schnee fällt und fällt und fällt. Schnee löst Schneekatastrophe aus. Bis zu den Baumkronen hoch liegt der Schnee als Decke, in den ich am Ende meiner Tage auf Erden kriechen werde, um zur Mutter vorzustoßen. Es fällt Schnee bei meiner ersten Heirat. Es fällt Schnee am Tag der Geburt meines ersten Kindes. Es fällt Schnee am Tag der Scheidung von meiner Frau und den Kindern. Es fällt Schnee an dem Winter, der mich nach langer kollektiver Gemeinschaft allein in der Städtischen Wohnung sieht. Schnee liegt als der Vater zu Grabe getragen wurde. Alle wichtigen Ereignisse fallen mit Schneefall zusammen. Schneeaugenblicken. Schneejahrzehnte erlebe ich. Mein Leben ist permanent beschneit. Alles was ich bin, alles was mir widerfährt, wohin ich gerate, woher ich komme, auf welche Stätte ich zu gehe, hat mit Schneefall zu tun. Es fällt Schnee am Ende meines Lebens. Schnee treibt vor meinem Fenster, während ich am Schreibtisch sitze, schneeweiße Seiten mit Schrift fülle. Schneeweiße Buchstaben. Kristallsilben. Flockenworte, kaum vom Blattuntergrund zu unterscheiden. Wind heult. Schnee fliegt von rechts nach links an meiner Fensterfront vorbei. Die Tür vibriert in ihrem Rahmen. Schnee fliegt im horizontalen Langstreckenflug an meinem Haus vorbei, als wolle der Schnee nie landen, so vom Wind angetrieben, gescheucht, geprügelt, davon geblasen. Wie als sollte ich während ich am Text schreibe nicht mit Schnee in Berührung kommen; Schnee in seiner unschönen feuchten Art, von den Menschen Schneematsch geheißen. Ein endloser Troß an meinem Fenster vorbei, erbarmungslos angetrieben. Und niemand kann sich dem entgegenstellen. Vom Schneematsch zugekleistert, ist der Stoßrichtung nicht beizukommen, die Hatz nicht zu stoppen, die in aussichtlose Heftigkeit barbarisch vollzogen wird. Schnee, von eisigen Schergen übers Land gepeitscht. Schnee, der nirgends Halt findet, nicht einmal erschöpft zu Boden geht, über dem Boden fegt und in Troß, in der Zugluft stirbt, tot vorangetrieben, nicht schmilzt und nicht Schneedecke werden darf ganz gegen die Bestimmung des Schnees. Schneeweiße Erinnerung, in die hinein ich greife, aus der hervor ich einzelne Details greife. Die Frage bleibt. Woher kommt all der Schnee?
Kommentarnr1 gepostet von runkel am 28.10.2009 à 14h32

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