Änderungen
Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte.
Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Ich danke für euer verständnis.
In meinen Kindheitsträumen bin ich mit einem großen Schiff unterwegs. Rund um den Planeten will ich mit Kartoffeln, Reis, Zwiebeln handeln, Öl aus Dubai verschiffen, Gestein in China aufnehmen, die Ladung sicher nach Aden bringen, wo auf mich getrockneter Fisch für Rio, erwartungsgemäßer Zoff mit den Händlern, die untereinander im harten Clinch sind, erwartet.
Ich mache in meinen Träumen reichlich Geld.
Ich habe das Dorf verlassen, um an der Universität zu studieren. Ich bin in der Stadt ein angesehener Mann gewesen. Fleißig, zupackend. Ich hatte eine glückliche Familie. Ich mußte mich gegen sie entschließen, die Stadt verlassen, mir einen entlegenen Platz suchen, wo ich weit ab von der Stadt lebe.
Unser Ort hier heißt in der poetischen Übersetzung Hoffen. Polizei läßt sich nicht sehen. Ich liebe das Dorf wie ich einst in der Stadt meine Frau, meine zwei Söhne geliebt habe. Bei schönem Wetter ist die Insel sehr idyllisch. Touristen sind vom kleinen Hafen beeindruckt.
Ich bin Sardinenfischer. Ich bin auf der Suche nach den dunklen Flecken im Meer. Die lohnenden Fischschwärme, über die ich das Netz werfe. Das Netz wird in einer ganz bestimmten Art aufgeworfen. Im Flug ist das Netz ein kreisrunder Fallschirm. Es soll sich schattenlos ausbreiten, schattenlos über den Schwarm herfallen, die Fische überraschen, ihnen die Fluchtwege abschneiden. Jeder wirft das Netz wie er das Netz zu werfen versteht. Ist das Netz voller zappelnder Fische, nenne ich den Fang einen Wunderfang. Wunderfänge sind nicht einer nach dem anderen zu ermöglichen.
Barfüßig stehe ich inmitten der Silberlinge, entstöre Maschenfilz, ersetze die kleinen Bleistücke. Wasservögel belauern die Szenerie. Ich denke, ich bin ein ganz erfolgreicher Mann. Ich kann mir dieses große Boot leisten. Ich habe drei feste Gehilfen. Ich werfe die Netze mit Konzentration und in absoluter, selbst anerzogener Geschicklichkeit. Er dreht sich vieles um das Plus an Erfahrung zur täglichen Portion Glück. Es wirft niemand seine Netze wie ich. Ich bin eine Wurfmaschine. Ich bin emsiger als der Tennisprofi auf dem Tennisprofiplatz. Wir sind eine gute Gruppe.
Der da drüben, ja der mit dem verschmierten Gesicht, pflegt den Motor, behandelt ihn wie ein rohes Ei, hat ihm den Namen einer Frau gegeben. Die Maschine schnurrt. Auf der offenen See, wo die Elemente und allerlei Mißverhältnisse nach dir schielen, ist auf seiner Hände Arbeit Verlaß. Mit welchem Trick auch immer, er die Geliebte wieder hinkriegt, er macht den Motor brav, handzahm, in dem er auf ihn einredet, ihm etwas zuflüstert, ihn streichelt, dem Maschinenweib einen Klaps verabreicht, im Türrahmen steht, dem Motor droht, Grobheiten sagt. Jedes Mal schafft er es, daß die Maschine ihr mürrisches Verhalten aufgibt, sich anmachen läßt, wir aus der glimpflichen Situation herauskatapultiert sind.
Wir fangen gut und feiern ordentliche Feste. Wir singen laut, wir tanzen um die Räucherfeuer. Wir haben Spaß nach dem Arbeitstag. Bevor ich betrunken werde, verlasse ich die Runde aus gutem Grund.
Das Meer ist eine Allesfresserwanne. Es frißt den genervten, von Glücksempfinden verlassenen Menschen zuerst. Manchmal kommen Nebel auf und treiben Schabernack, der uns verwirrt. Da braucht es Instinkt und Kraft, einen sicheren Sinn, von dem wir sagen, daß er uns immer wieder auf den Pfad zurück führt. Oder wir sitzen fest und hoffen, daß sich die Nebel erschöpfen. Ihr bösen Nebel, ruft einer von uns, laßt besser sofort euer Treiben sein. Zieht ab! Hört auf hinterm Horizont mit den anderen Booten euern Spuk zu veranstalten. Die Möwen zerfetzen sich in der Luft. Sie kämpfen gern und so oft sie können. Das Meer meint es gut mit mir, meint es gut mit uns allen, solange wir draußen sind, wo es den Händler nicht gibt, seinen Gehilfen, die unbestechliche Waage, den Festpreis.
Ich werde nicht klagen. Ich existiere gut. Wir bringen Fisch an Land. Ich kann schleifen, ausnehmen, waschen, trocknen, räuchern. Ich bin guter Dinge sein. Wir machen Witze, wenn Unbill uns unserer Leckerbissen beraubt. Ich werfe die kleineren Fische ins Meer zurück. Ich trete den Geringfang an Bedürftige ab. Arme alte Leute, die im Hafengebiet lungern, die von meiner Gabe nicht satt werden, aber insgesamt dann doch von unserm Fischreichtum leben.
Ich kann nicht Brotherr von einem großen Überseepott sein.
Es ist kein Fangen, wo das Fangen automatischer geschieht.
Ich bin im Dorfe der Sardinenfischer. Der Spezialist.
Meine Freunde und ich hocken oft in der Dorfkneipe, wenn sie mit mir und wir zusammen mitunter Wochen abwarten müssen, daß die Fische wieder unsere Bucht aufsuchen. Ein Signal. Das Kneipendasein ist erledigt.
Ackern müssen wir, ackern mehrmals am Tag, hinausfahren, den Tag über am Fisch sein, bis über die Nacht hinaus schuften, daß die Hände schmerzen, der Rücken schier bricht. Ich fange Silberlinge, die auf den Markt stattliche Preise erzielen. Ich trockne den Fischüberschuß in glühendheißer Sonne. Getrocknet ist der Fisch ein Leckerbissen für kargere Zeiten.
Ich lebe außerhalb des Dorfes in einem bescheidenen Haus. Ich sage in meine erhobenen Hände hinein, ich bin Gottes Geschöpf, ich kann tun, was er mir befiehlt. Oder anders gesprochen. Bei uns fressen die Krebse Steine, heißt es bei mir Zuhause. Ich singe sehnsuchtsvolle Lieder dorthin. Das Leben hier ist zum Heulen, das Glück nicht wunderbar, singe ich mit Tränen in den Augen. Ich habe schon als Kind immer leise in mich hinein gesungen, mit meiner Schwester, die heute an einem Musiktheater tätig ist.
Als ich das Dorf beschimpfte, fluchte ich in einer den Dörflern nichtverständlichen Sprache. Ich schrieb auf, was ich um mich sah, was ich zu den Dingen um mich herum spürte. Was ich vermeinte zu sehen, sah ich nicht länger, und sah nicht, was ich sehen sollte, sondern sah, was ich nie zuvor gesehen hatte. Ich sprach mit den Pflanzen. Die halbvertrocknete Zimmerpalme in der Ecke war meine erste Freundin. Wir wetterten gegen den Staat und seine langweiligen Bücher. Erst wenn du dich weigerst, keines der bösen Listenbücher anrührst, wirst du gesunden. Seither bin ich an Silben gebunden. Silben formen sich zu Worten. Ich rede mit mir in einer erfundenen Sprache und werde den Landsleuten fremder mit jedem neuen Wort. Am Lebensende zieren unverstandene Worten meinen letzten Stein. Ich habe die höchste Form von Fremdheit erreicht und ich glaube nicht an die Kraft offizieller Worte.
Ich liege nachts regelmäßig wach. Ich bin unterm herrlichen Azur auf der mit Blumen geschmückten Bank, eine Mittagsruhe halten. Für jeden Sardinenfischer ist Mittagsruhe eine heilige Prozedur. Ich kann nicht in die Stadt. Es ist wegen der Geschichte, die ich keinem in der Stadt erzählen werde, weil sie niemanden etwas angeht. Ich nicht, nein, ich will nicht übermäßig reich werden, will mich keinerlei Privilegien bedienen, Golfer sein, mich sonst wie aufführen, dort hinten am Hügel der Eitelkeit.
Im Traum erwache ich und bin gestärkt. Ich nehme meinen Mut zusammen. Ich fahre in die Stadt. Ich spiele mit den alten Kollegen Karten. Sie legen die Dominosteine zur Seite. Sie falten die Zeitungen. Sie tippen auf den Artikel, von dem sie sagen, er wird mich immer begleiten. Wir trinken Tee und rauchen. Die Früheren kommen an unseren großen Tisch zusammen. Ei, schau mal an, sagen sie, wen haben wir denn da? Und dann überschlagen sich die Stimmen. Das hättest du nicht tun dürfen. Es gibt da Grenzen. Leiste Abbitte. Leb nicht weiter da draußen. Ich erhebe mich. Mir bleibt nichts anderes übrig. Ihr wißt wie ich, beharre ich, greife nach der Stuhllehne. Du kannst dann nicht mehr zu uns kommen. Hörst du. Nie wieder. Also. Du kannst nicht mit uns sitzen und reden und trinken. Nichts wird sein, hörst du. Alles wird, wie es einmal war, antworte ich. Ich erhebe mich. Ich winke der Kellnerin. Sie zögert ein wenig, ehe sie an den Tisch kommt. Setz dich hin, sagt sie. Hör den Männern zu. Mir zu Liebe. Also setze ich mich.
Es gehört sich nicht gegen den Wunsch einer Frau aufzubegehren, auch wenn sie keine von hier ist und erst recht keine von dort, ihr wißt, welchen Ort ich meine.
Ich höre mir die lange Rede der Kellnerin an. Ich nicke mit meiner Mütze in der Hand. Ich bestelle die nächsten Runden. Alles frei, alles auf meine Kosten, ruft die Kellnerin. In der Ecke steht der Fernseher. Der Fernseher läuft und läuft. Niemand sieht hin. Niemanden interessiert, was der englische Moderator sülzt. Ich tanze mit der Kellnerin die exakte Schrittfolge und bin erstaunt, woher sie die Schritte beherrscht. Die Männer bilden den Kreis, ihre Finger schnippen den ehrwürdigen Takt. Ich sage, ich werde aufbrechen. Die Kumpels sagen, sie werden mich nicht hindern. Die Kellnerin weist mit dem Kopf zum hinteren Zimmer. Dort sitzt mein Bruder. Wir führen ein schweigendes Zweiaugengespräch über all die verstrichenen Jahre, die Zeit, die von uns erzählt, davon, daß ich Fischer bin und mit