Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Sonntag, 1. februar 2009 7 01 /02 /2009 07:00

Wer ist das Mittel, wer der Zweck


Als Intellektueller und Künstler, der sich vor allem mit Medien- und Technologiediskursen auseinandersetzt, keinerlei ökonomische Absicherung besitzt, fühle ich mich von den Grünen in meiner Lebenslage nicht ernst genommen und schon gar nicht politisch vertreten. Die Behauptung, es gäbe keine politische Alternative zu den Grünen mag ja stimmen, aber das ist die Preisgabe jeder politischen Kritik nach Innen, jeder radikalen politischen Veränderung der Organisationsstruktur und inhaltlichen Ausrichtung, das Ende jeder möglichen Erneuerung der Bewegung.

Die mangelnde Unterstützung seitens der Partei nicht nur in der Gründung einer Gemeindegruppe in St. Wolfgang, sondern auch in meinen ökonomischen Bedürfnissen und meinen intellektuellen Möglichkeiten hat mich schwer enttäuscht. Der berühmte Satz: „Glaubst du wirklich die Partei hat auf dich gewartet“, von einem Grünen Mitglied des Bezirks Gmunden, hat mir immer schon zu denken gegeben. Ja wenn die Partei nicht auf mich wartet, auf wen bitte wartet sie dann? Auf andere? Auf die richtigen Mitglieder? Auf Arbeitstiere. Auf stille, ehrenamtliche, gut abgesicherte, auf den Apparat ökonomisch nicht angewiesene Parteimitglieder?

Ich halte nichts von dem berühmten Kennedysatz: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag dich,was du für dein Land tun kannst.“ So als wären die Bürger für die Nation da und nicht die Nation für ihre Bürger. Auch wenn ich weiß, daß die Aufklärung und die bürgerliche Herrschaftselite in der Demokratie genau dieses Ziel verfolgt, den Bürger gegenüber seinem Staat kleinzureden, damit er nur ja nicht auf die Idee kommt, gegen die kapitalistische, kleinbürgerliche, autokratische Repräsentativdemokratie zu rebellieren.

Ich will mich nicht fragen, was kann ich für die Partei tun. Ich bin nicht das Mittel für ihren Zweck. Sie ist das Mittel zu meinem Zweck, um in ihr, die meines Erachtens eine Solidargemeinschaft darstellen sollte, ökonomisch, sozial und intellektuell gesichert existieren zu können.

Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, daß ich einfach nur alt und desillusioniert bin. Das mein Zeithorizont ein anderer geworden ist. Die Feigheit der meisten, auch nur an Austritt zu denken, weil sie damit in die politische Heimatlosigkeit und Bodenlosigkeit fallen würden, ist lähemender als jede Parteispitze, die bürokratisch blind in den Untergang stürzt, weil sie Offenheit, echten Dialog und Ausgleich fürchten. Ich möchte mich zumindest mit dem Gedanken an einen Austritt anfreunden. Vielleicht sogar damit spekulieren eine neue Partei zu gründen, ein echtes linkes, technologiekritisches, medienpolitisch agierendes, politisches Projekt, das den Themen und Lebenslagen der Menschen gerecht wird.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Politikjournal
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