Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Montag, 5. januar 2009 1 05 /01 /2009 15:41

Während bei uns in Europa allüberall die Kerzen am Baum vom Fest der Liebe kündeten, wurde in Gaza der Friede abgefackelt. Typisch für unsere Zeit, wie ich denke. Dort, wo das Licht der Welt auf uns gekommen ist, wird gestorben und getötet. Ich will mich hier nicht mit der historischen Bedeutung dieses Konfliktes beschäftigen, vorangegangenen Ungerechtigkeiten, seltsamer Siedlungspolitik, europäischen Hegemonialansprüchen oder krudem Kolonialismus.

Die Sache ist eigentlich banal. Raketen auf Israel: fatal. Bombardierungen und Panzerattacken in Gaza: unverhältnismäßig. Von 500 Toten ist die Rede und das allein auf palästinensischer Seite.

Wie alle immer wieder betonen, wird es keine Sieger geben. Diese neuerliche Eskalation des Konflikts hin zu einem Bodenkrieg wird nur weiter Tote produzieren, neue psychische Verletzungen und neue kriegerische Ereignisse vorbereiten. Die Verlierer im heutigen Konflikt sind die Toten von Morgen.

Israelis und Palästinenser sind nicht in der Lage, das historische Erbe des Konflikts abzustreifen, um Frieden zu schließen. Hier wirkt ein Phänomen, das stärker ist als alle Vernunft: kollektive Blutrache. Für einen getöteten Israeli müssen dutzende Palästineser bluten. Warum? Welche Logik zwingt die Israelis und Palästinenser sich gegenseitig abzuschlachten? Das Existenzrecht Israels? Seit wann hat ein Staat mehr Existenzberechtigung als seine Bürger?

Ach, ich vergaß: Bürger wachsen nach, Staaten werden höchstens geteilt, aufgelöst und sind so für lange Zeit verloren. Da fällt mir spontan der Satz von John F. Kennedy ein: „Frag nicht, was dieses Land für dich tun kann, sondern frag dich, was du für dein Land tun kannst.“

Auch Kennedy hat Staaten, Länder, Gemeinschaften über das Wohl des Einzelnen, seine Bedürfnisse gestellt. Ist die Gemeinschaft bedroht, müssen die Bürger ran und Blutopfer bringen.

Ich halte das für ein Grundproblem aller kriegerischen Konflikte. Erst wenn wir bereit sind, die Menschheit als ganzes, als die einzige Gemeinschaft anzuerkennen, die es zu verteidigen gilt, werden Kriege enden. Nur wenn wir in der Lage sind den anderen, den Feind, den Gegner als Teil der eigenen gesellschaftlichen Kultur anzuerkennen, wird gesellschaftlicher Mord – und Krieg bedeutet nichts anderes – sanktionierbar.

Es ist unmöglich in kriegerischen Konflikten zu entscheiden, wer recht hat, wer die legitimen Waffen besitzt. Recht ist im Krieg undenkbar. Jeder Krieg ist widerrechtlich, weil er das Überleben auch derer bedroht, die er vermeintlich verteidigen möchte.

Wir werden in den künftigen Konflikten in Kleinasien noch zahlreiche Tote sehen. Heute, Morgen und in naher Zukunft, weil keine der Parteien in der Lage ist, über das historische Unrecht an der eigenen Gemeinschaft hinwegzusehen und den anderen als Teil eines größeren gemeinsamen Gemeinswesens zu betrachten.

Wo Feinde leben, herrscht Krieg.

Wo Freunde zusammenkommen, wäre Friede möglich.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Kriegsjournal
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