Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Dienstag, 30. dezember 2008 2 30 /12 /2008 08:36

Mit der Familie auf Reisen.

Es ist erschreckend wie die Zerstörung meiner Kindheitswelt voranschreitet. Manche Straßenzüge Wiens sind nicht wieder zu erkennen. Die Physiognomie der Stadt verändert sich. Die Erinnerung verblaßt und läßt sich nur noch schwer abrufen, wenn markante Eckpunkte fehlen. Manchmal fühle ich mich wie ein Emigrant, der nach Jahren in die Stadt seiner Kindheit zurückkehrt und nichts als Fremdheit vorfindet. Selbst hier im ländlichen Süden der Stadt hat sich das Bild mit einer Geschwindigkeit verändert, die mich manchmal schwindlig werden läßt.

Nicht umsonst gilt das dörfliche Leben als statisch, als konservativ, als bewahrend. In den letzten acht Jahren hat sich in St. Wolfgang nicht viel verändert, vielleicht ein Haus mehr, eine kleine Renovierung hie und da, ein neuer Wegweiser, aber das ganze Berge verschwinden, riesige Türme in Schutt gelegt werden, ist undenkbar.

Die Angst der Wolfganger vor Eingriffen in ihre Landschaft, in ihre Mentalität erscheint vor dem Hintergrund städtischer Veränderungsprozesse absurd. Auch wenn ihnen die möglichen Veränderungen bedrohlich erscheinen, es sind doch nur kosmetische Eingriffe. In der Substanz bleibt alles beim Alten.

Ich bin tatsächlich ein Emigrant.

Sentimentalitäten bewegen mich, wenn es um die Stadt meiner Kindheit geht; Gnadenlosigkeit bei der Betrachtung der Heimat meiner Kinder. Ich bin schnell bei der Sache, wenn ich mich darüber ärgere, warum sich in St. Wolfgang so wenig verändert, die Beharrungskräfte so groß sind, die Bewohner so stolz sind auf ihre gewachsenen Strukturen, die vieles an Entwicklungsmöglichkeiten behindern.

Ich bin aber auch ein städtischer Emigrant, den es ins Dorf verschlagen hat. Nein, es ist noch komplizierter. Ich bin ein städtischer Emigrant, der aus einem dörflich organisierten Gemeindebau in ein echtes Dorf verschlagen wurde.

Ich bin ein Emigrant der nie ein richtiger Stadtmensch war und auch keine Gelegenheit hatte eine ländliche Identität zu entwickeln. Ich bin ein Emigrant der im Nirgendirgendwo, im Weder-Noch lebt, seit Kindertagen an. Gefangen in einem Kosmos, der weder städtisch noch ländlich ist.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Reisejournal
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