Änderungen
Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!
(Joseph von Eichendorff)
Die vierte Strophe von Eichendorffs Gedicht beschreibt einen Winterabend, vielleicht sogar den Heiligen Abend. Vielleicht den vierten Advent. Was in den letzten zwei Jahren und auch in diesem Jahr bisher gefehlt hat, um Adventstimmung aufkommen zu lassen, ist der Schnee, ist die Einsamkeit der klirrenden Kälte. Was ich erlebe, ist dieses grausame Wetter, daß ich schon aus Wien kenne. Ein wenig mehr als Null Grad und dazu Regen.
Regen, nichts als Regen.
Da wirken die Adventmärkte, die in ihren Autos anreisenden städtischen Masseneremiten noch deplazierter.
Keine Sterne, die hoch oben ihre Kreise drehen, kein wunderbares Singen hebt in den Häusern, in den Kirchen, in den Hütten an.
Und ob wir heuer eine gnadenreiche Zeit erleben werden?
Wer sollten denn die Gerechten da draußen sein, die Gande walten lassen. Wer sollte uns denn die Zeit schenken, die wir benötigen, um schöne Tage zu verbringen, sorgenlos, frei und ungezwungen.
Ich befürchte, das nächste Jahr wird wieder zahllose Grausamkeiten für uns bereit halten, die es mir unmöglich machen werden, mich zurückzulehnen, ein gutes Buch zu lesen und die Welt sich selbst zu überlassen.
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