Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Donnerstag, 4. dezember 2008 4 04 /12 /2008 07:00

Endlich einmal ein wenig Zeit zum Nachdenken. Was könnte im Verlag alles möglich sein, wenn wir nur einen Bruchteil des Geldes zur Verfügung hätten, das andere haben. Wir könnten Autoren und Autorinnen endlich so dotieren, wie es ihnen auf Grund ihrer Produktivität zukäme. Im Augenblick versandet und versickert die meiste Ökonomie in den Strukturen der österreichischen Mittelverlage.

Wodurch rechtfertigen die denn ihre hohen Subventionen? Arbeiten sie effizienter als unsere Edition? Keineswegs. Machen sie spannendere, unentbehrlichere, wichtigere Bücher als unser Verlag? Ich glaube nicht. Tun die Verlage etwas für den kulturpolitischen Diskurs? Selten, wie ich denke.

Wie kommen die massiven Unterstützungen und die gegen Null tendierenden Zuschüße der Kleinverlage zustande?

Ich hätte da ein paar Erklärungen anzubieten:

 

Sie sind einfach schon lange da. Die Leiter/innen dieser Verlage haben sie oft auch gegründet, damals in den goldenen Zeiten der Literaturförderung. Jetzt sitzen sie auf ihren Pfründen und stopfen sich ihre Häuser und Prachtburgen mit allerlei unnötigem Tand voll.

In den Ministerien herrscht schon lange kein visionärer kulturpolitischer Geist mehr, der sich auch um einen Generationenausgleich bemühen könnte. Hier wird nur noch der Notstand verwaltet und es wereden alte Seilschaften bedient. Beamte mit gutem Willen und Weitblick sind rar und haben oft keine Chance an ihren Vorgesetzten vorbei zu kommen. Die großkoalitionären Verhältnisse führen zur weiteren Zementierung der ungerechten Verteilung der Ökonomie im Kulturförderungssystem.

Was aber noch viel schwerer wiegt: Es gibt keinen Widerstand dagegen. Die Grünen haben als einzige Vision mehr Geld. Das löst aber das Problem nicht. Es geht um eine gerechtere Verteilung, um neue Verteilungsschlüssel. Die Sozialdemokraten sind mittlerweile unglaubwürdig, weil sie seit Jahren etwas in ihren Ministerien ändern könnten und es doch nicht getan haben.

Und die Verlage selbst? Die meisten von ihnen zeigen nur wenig Willen zur Veränderung. Die großen haben kein Interesse an einer Reform, aus der sie als Verlierer hervor gehen würden. Die mittleren schielen ängstlich auf die geringer ausfallenden Subventionen und haben Angst diese zu verlieren, wenn sie aufbegehren. Und die kleinen sind herorisch, wurschteln vor sich hin und halten ihre Unabhängigkeit hoch, weil ihnen das einen Anstrich von Heldenhaftigkeit gibt, vielleicht auch eine Art Glücksgefühl.

 

Was für einen Schluß soll ich daraus ziehen?

Schluß machen? Aufhören?. Keine Bücher mehr produzieren? Mir irgendwo einen Job suchen und mich in die Schwachsinnigkeit begeben, das Leben abwickeln und zusehen, daß ich auch ohne Bücher in Würde alt werden kann? Die Bücher und die Autor/inn/en einfach sich selbst überlassen.

Oder mich engagieren und aufzeigen, daß dieses System falsch, ungerecht und träge ist. Aufbegeheren, Stimmung machen, sich vernetzen und als kleiner Verlag selbstbewußt Forderungen erheben, nicht nur in meinem Büro, bei den Redaktionsbesprechungen, sondern öffentlich und lautstark.

 

Voraussetzung ist ein klares Konzept. Das wäre zu erarbeiten, in einer Gruppe und einer Ministerin vorzulegen, begleitet von Presse- und Lobbyarbeit. Ja, manchmal, wenn ich in meinem Verlegeralltag Zeit finde, gehen mit mir schon mal die Visionen durch und plötzlich tut sich ein politischer Handlungsansatz auf, auch für mich als Verleger.

 

Ein Diskussionsvorschlag zur Reform der Literaturförderung folgt hier in Kürze.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Verlegerjournal
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