Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Mittwoch, 26. november 2008 3 26 /11 /2008 07:00

Der erste und für mich ausschlaggebende Grund ist, daß ich mich in ihr heimisch fühle. Es ist die Schrift meiner Eltern, die Schrift meiner Kindheit, die Schrift mit der ich mir aus Büchern die Welt aneignete.

Zum zweiten sehr ich keinen Nutzen darin, ein neues Schriftbild zu lernen. In mühevoller Kleinarbeit habe ich mir die „alte“ Schrift angeeignet, sie mir in zahllosen Sommernachmittagen von meiner kostbaren Kinderzeit abgerungen, ihre Regeln, ihre Logik.

Zum dritten scheint es mir nicht einleuchtend, daß die neuen Regeln das Schreiben von Texten vereinfacht hätte. Mag sein, daß die Kinder von heute und die der Zukunft die „neue“ Rechtschreibung leichter erlernen werden. Für sie wird die alte fremd sein, denn sie werden heimisch sein in der neuen.

Ich denke, neu oder alt, es bleibt sich gleich. Die rechte Schreibe zu lernen, ist immer schwierig, egal wie einfach es sich die Schriftgelehrten die Sache auch immer vorstellen.

Ein weiterer Grund warum ich bei den alten Regeln bleibe, ist mein eigenes Alter. Ich bin alt geworden, unflexibel und konservativ. Was nicht heißt, daß ich mich nach der guten alten Zeit sehne, sondern daß ich für mich keinen Sinn erkennen kann, warum ich eine neues Regelsystem lernen sollte. Das wäre ja fast so, als würden die Menschen von mir verlangen, nicht länger den Regeln des Kapitalismus zu befolgen.

Vielleicht würde ich mich aufraffen, neu zu schreiben, wenn eine echte Revolution hereinbrechen würde, eine Schriftenlehre, die die Regeln freigibt, die der Anarchie frönt und dem persönlichen Sprachmelodien folge leistet, die der Normierung entgegenarbeitet und dem literarischen, dem künstlersichen Schreiben mehr Raum läßt.

Doch davon sind wir weit entfernt.

Mag sein, daß dieses reaktionäre Verhalten meine Texte nie zur Schullektüre machen wird, weil ich mich nicht an die neue Zeit anzupassen bereit bin – aber das wäre ohnehin nie geschehen, da mir dafür ja das notwendige Maß an Bekanntheit fehlt. Das ich diese Berühmtheit nicht erreichen werde, liegt sicher nicht an meinem Beharren auf der alten Schreibe, sondern an den Marktmechanismen. Und der Markt braucht mich nicht, so wie viel andere auch. Eine Recyclingkultur, eine Reprintkultur braucht immer weniger Originale – noch dazu wenn sie wenig originell sind.

Kurz: Egal ob ich die alte oder die neue Rechtschreibung verwende, beides bringt mich nicht in die literarische Mitte der Gesellschaft, denn Literatur hat etwas mit Kunst zu tun und Weltvermittlungsprozessen und nicht mit dem Recht zu schreiben (außer vielleicht in Diktaturen, dort ist es aber eine politische Frage), dem rechten Schreiben oder irgendeiner Rechtschreibung. Zerlege ich das Wort bleibt ohnehin nur Recht und Schreibung über. Genausogut kann ich sagen, ich schreibe Recht, wenn ich recht schreibe.

Was richtig und was falsch geschrieben ist, bestimmen letztlich ohnehin die Schriftgelehrten, die Lektoren, Korrektoren und Germanisten und auf die habe ich keinen Einfluß. Also nehme ich mir das Recht heraus, alt zu schreiben und unendeckt zu bleiben.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Autorenjournal
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