Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.
Dienstag, 9. dezember 2008 2 09 /12 /2008 09:25

Eine Grüne Freundin schrieb heute: Wovon soll ich noch träumen?

Ich habe ihr geantwortet: Wovon sie träumen kann, keine Ahnung. Ich aber träume noch immer die alten Träume: von einer Welt ohne Krieg, von einer Welt ohne Hunger und von einer Welt, in der jede/r, nach seinen/ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen leben kann.

Und historisch sind wir als Menschheit erstmals in der Lage all das zu gewährleisten, weil die Organisationen, die Gelder und die Ressourcen dafür zur Verfügung stehen.

Und es treibt mich fast in den Wahnsinn, daß wir Grünen nicht den Mut haben aufzustehen und genau das zu fordern.

 

Was wir zur Umsetzung dieses Trauems brauchen?

Eine vollständig andere Politik. Eine Politik, die nicht lokal, nicht national, nicht kontinental denkt. Eine Politik, die nachsieht wer, wo im Krieg lebt und sich dagegen stemmt, auch wenn die Kriege von den USA, Europa oder der eigenen Nation angezettelt wurden. Eine Politik, die nachsieht, wo Hunger herrscht und die Nahrung dorthin bringt, wo sie gebraucht wird, unabhängig vom ideologischen Standort der dort herrschenden Regierungen. Eine Politik, die die Ressourcen denen verschafft, die noch keine Infrastruktur besitzen, wie wir sie in Europa für selbstverständlich erachten.

 

Warum wir eine solche Politik vertreten sollten?

Weil unser Reichtum, nicht nur histroisch, auf der Armut der anderen beruht. Ich weiß, daß das die Grünen nicht mehr gerne hören, weil sie mittlerweile selbst zum Reichtumssegment dieser Geselllchaft zählen. Aber glaubwürdig wird grüne Politik erst, wenn sie auch auf nationaler Ebene, für eine lokale, nationale und globale Umverteilung in radikaler Weise eintreten.

 

Doch da mache ich mir nicht viele Hoffnungen.

Die Grünen sind ja nicht mal in der Lage über Umverteilung in der eigenen Partei nachzudenken. Da sollten wir schon mal fragen, wen haben wir da eigentlich gewählt. Wer steht an der Spitze dieser Partei. Und welche Forderungen werden dort erhoben.

Von internationaler Solidarität höre ich da wenig.

Von einer konsequenten Antikriegshaltung sind wir weit entfernt.

Von einer ausgleichenden Ressourcenpolitik keine Spur.

 

Nachhaltigkeit ist, was wir Grünen uns wünschen. Ich halte Nachhaltigkeit für einen Etikettenschwindel. Umverteilung gekoppelt mit einem radikalen Wachstumsstop, das ist die Losung der Zeit. Die Grünen agiern zwar in ihrer Zeit, nicht aber auf der Höhe ihrer Zeit.

Schade, eigentlich.

Die Grünen hätten das Zeug zu einer wirklich tollen Regierungspartei, wenn sie sich endlich dazu aufraffen könnten, Politik im Dienste ihrer Zeit und nicht ihrer Klientel zu machen.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Politikjournal
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Sonntag, 7. dezember 2008 7 07 /12 /2008 14:35

Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schnees Einsamkeit

Steigts wie wunderbares Singen –

O du gnadenreiche Zeit!

(Joseph von Eichendorff)

 

Die vierte Strophe von Eichendorffs Gedicht beschreibt einen Winterabend, vielleicht sogar den Heiligen Abend. Vielleicht den vierten Advent. Was in den letzten zwei Jahren und auch in diesem Jahr bisher gefehlt hat, um Adventstimmung aufkommen zu lassen, ist der Schnee, ist die Einsamkeit der klirrenden Kälte. Was ich erlebe, ist dieses grausame Wetter, daß ich schon aus Wien kenne. Ein wenig mehr als Null Grad und dazu Regen.

Regen, nichts als Regen.

Da wirken die Adventmärkte, die in ihren Autos anreisenden städtischen Masseneremiten noch deplazierter.

Keine Sterne, die hoch oben ihre Kreise drehen, kein wunderbares Singen hebt in den Häusern, in den Kirchen, in den Hütten an.

Und ob wir heuer eine gnadenreiche Zeit erleben werden?

Wer sollten denn die Gerechten da draußen sein, die Gande walten lassen. Wer sollte uns denn die Zeit schenken, die wir benötigen, um schöne Tage zu verbringen, sorgenlos, frei und ungezwungen.

Ich befürchte, das nächste Jahr wird wieder zahllose Grausamkeiten für uns bereit halten, die es mir unmöglich machen werden, mich zurückzulehnen, ein gutes Buch zu lesen und die Welt sich selbst zu überlassen.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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Freitag, 5. dezember 2008 5 05 /12 /2008 18:30

Zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich an Krankheiten und Unterernährung, nein werden getötet, weil wir es unterlassen, ihnen beizustehen.

Was ist das für eine Welt, in der wir leben. Alle drei Sekunden ein Kind haben die Statistiker errechnet. Und schon wieder haben wir ein Kind über die Klinge springen lassen, und schon wieder, und schon wieder …

Wir revoltieren gegen die Vorstellung, daß im zweiten Weltkrieg in sechs Jahren sieben Millionen Juden, Zigeuner und Kommunisten vernichtet wurden, wahnhaft und zwanghaft. In uns scheint wenig Revoltepotential übrig geblieben zu sein, für die zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren, geschweige denn für die Millionen, die Jahr für Jahr sterben, zu Toten gemacht werden.

Wir trauern um die vergangenen Toten, weil wir nicht mehr in der Lage sind, uns mit der millionenfachen Totenproduktion unserer Zeit auseinanderzusetzen. Wir laufen den Toten immer hinterher. Kaum haben wir ein paar betrauert, lauern die nächsten Hunderttausend auf uns. Und so werden wir nie dazu kommen, uns mit den möglichen Toten in der Zukunft zu beschäftigen, um vielleicht einmal ein paar Millionen zu retten.

Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Menschheit?

Daran habe ich so meine Zweifel.

Wenn wir die Menschheit retten, retten wir jeden Einzelnen.

Ich denke, wir sollten aus der gesellschaftlichen Defensive treten und uns endlich mal wieder ein paar unerreichbare Ziele stecken, um dann vielleicht doch zu einer Gesellschaft durchzudringen, in der die Menschen auf angenehme Weise sterben dürfen, anstatt massenhaft getötet zu werden.

 

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Totenjournal
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Donnerstag, 4. dezember 2008 4 04 /12 /2008 07:00

Endlich einmal ein wenig Zeit zum Nachdenken. Was könnte im Verlag alles möglich sein, wenn wir nur einen Bruchteil des Geldes zur Verfügung hätten, das andere haben. Wir könnten Autoren und Autorinnen endlich so dotieren, wie es ihnen auf Grund ihrer Produktivität zukäme. Im Augenblick versandet und versickert die meiste Ökonomie in den Strukturen der österreichischen Mittelverlage.

Wodurch rechtfertigen die denn ihre hohen Subventionen? Arbeiten sie effizienter als unsere Edition? Keineswegs. Machen sie spannendere, unentbehrlichere, wichtigere Bücher als unser Verlag? Ich glaube nicht. Tun die Verlage etwas für den kulturpolitischen Diskurs? Selten, wie ich denke.

Wie kommen die massiven Unterstützungen und die gegen Null tendierenden Zuschüße der Kleinverlage zustande?

Ich hätte da ein paar Erklärungen anzubieten:

 

Sie sind einfach schon lange da. Die Leiter/innen dieser Verlage haben sie oft auch gegründet, damals in den goldenen Zeiten der Literaturförderung. Jetzt sitzen sie auf ihren Pfründen und stopfen sich ihre Häuser und Prachtburgen mit allerlei unnötigem Tand voll.

In den Ministerien herrscht schon lange kein visionärer kulturpolitischer Geist mehr, der sich auch um einen Generationenausgleich bemühen könnte. Hier wird nur noch der Notstand verwaltet und es wereden alte Seilschaften bedient. Beamte mit gutem Willen und Weitblick sind rar und haben oft keine Chance an ihren Vorgesetzten vorbei zu kommen. Die großkoalitionären Verhältnisse führen zur weiteren Zementierung der ungerechten Verteilung der Ökonomie im Kulturförderungssystem.

Was aber noch viel schwerer wiegt: Es gibt keinen Widerstand dagegen. Die Grünen haben als einzige Vision mehr Geld. Das löst aber das Problem nicht. Es geht um eine gerechtere Verteilung, um neue Verteilungsschlüssel. Die Sozialdemokraten sind mittlerweile unglaubwürdig, weil sie seit Jahren etwas in ihren Ministerien ändern könnten und es doch nicht getan haben.

Und die Verlage selbst? Die meisten von ihnen zeigen nur wenig Willen zur Veränderung. Die großen haben kein Interesse an einer Reform, aus der sie als Verlierer hervor gehen würden. Die mittleren schielen ängstlich auf die geringer ausfallenden Subventionen und haben Angst diese zu verlieren, wenn sie aufbegehren. Und die kleinen sind herorisch, wurschteln vor sich hin und halten ihre Unabhängigkeit hoch, weil ihnen das einen Anstrich von Heldenhaftigkeit gibt, vielleicht auch eine Art Glücksgefühl.

 

Was für einen Schluß soll ich daraus ziehen?

Schluß machen? Aufhören?. Keine Bücher mehr produzieren? Mir irgendwo einen Job suchen und mich in die Schwachsinnigkeit begeben, das Leben abwickeln und zusehen, daß ich auch ohne Bücher in Würde alt werden kann? Die Bücher und die Autor/inn/en einfach sich selbst überlassen.

Oder mich engagieren und aufzeigen, daß dieses System falsch, ungerecht und träge ist. Aufbegeheren, Stimmung machen, sich vernetzen und als kleiner Verlag selbstbewußt Forderungen erheben, nicht nur in meinem Büro, bei den Redaktionsbesprechungen, sondern öffentlich und lautstark.

 

Voraussetzung ist ein klares Konzept. Das wäre zu erarbeiten, in einer Gruppe und einer Ministerin vorzulegen, begleitet von Presse- und Lobbyarbeit. Ja, manchmal, wenn ich in meinem Verlegeralltag Zeit finde, gehen mit mir schon mal die Visionen durch und plötzlich tut sich ein politischer Handlungsansatz auf, auch für mich als Verleger.

 

Ein Diskussionsvorschlag zur Reform der Literaturförderung folgt hier in Kürze.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: Verlegerjournal
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Mittwoch, 3. dezember 2008 3 03 /12 /2008 07:00

Mir wurde mitgeteilt, daß sich meine Aktivitäten im Internet, in Bezug auf St. Wolfgang sich nicht mit meiner Obmannschaft im Elternverein des Kindergartens verträgt. Ich trete daher mit sofortiger Wirkung als Obmann zurück, um nicht weiter „unseren“ Kindern zu schaden.

Der Kindergarten bräuchte eine dringende Sanierung, bräuchte die dringende Behebung der gröbsten Sicherheitsmängel. Wenn heute ein Kind gegen die Fensterscheibe fällt und sie bricht, stürtzt es direkt in den Hof, da die Fenster kein Sicherheitsglas besitzen. Die Ecken und die Kanten, die ich im Kindergarten nach wie vor vorfinde, sind eine ewige Verletzungsquelle. Die Sicherheitsmängel wären immer weiter fortsetztbar.

Leider muß die Gemeinde ja noch zuwarten, da wir kein Geld dafür haben.

Besorgte Bürger/innen meinen, ich solle mich aus der Politik raushalten, weil ich doch nur Unsinn verzapfe.

Es sollten mir bitte die aufrechten und engagierten Bürger und Bürgerinnen erklären, die sich so um unsere Kinder sorgen, warum tausende Euro für Straßenlampen und Umgestaltungen des Ortes ausgegeben werden, aber für Sanierungen der Kindergartens fehlt das Geld.

Na gut, wir sind ja eine Tourismusgemeinde. Da muß der Rubel rollen, die Kassen müssen prall gefüllt werden und die Gäste sind nun mal wichtiger als unsere Kinder.

Das habe ich jetzt schon mehrmals erlebt, wie der Gast vorrang hat. Ob wir mit so einer Vorbildwirkung wirklich das Beste für usnere Kinder tun?

Da bin ich mir nicht sicher.

 

Wem das Wohl unserer Kinder wirklich wichtig ist, soll nicht sudern, sondern sich im Elternverein engagieren und dafür sorgen, daß wir in Ruhe unseren Geschäften nachgehen können, ohne Angst haben zu müssen, nur weil der Kindergarten vor Baumängeln strotzt.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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