Änderungen
Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
Während bei uns in Europa allüberall die Kerzen am Baum vom Fest der Liebe kündeten, wurde in Gaza der Friede abgefackelt. Typisch für unsere Zeit, wie ich denke. Dort, wo das Licht der Welt auf uns gekommen ist, wird gestorben und getötet. Ich will mich hier nicht mit der historischen Bedeutung dieses Konfliktes beschäftigen, vorangegangenen Ungerechtigkeiten, seltsamer Siedlungspolitik, europäischen Hegemonialansprüchen oder krudem Kolonialismus.
Die Sache ist eigentlich banal. Raketen auf Israel: fatal. Bombardierungen und Panzerattacken in Gaza: unverhältnismäßig. Von 500 Toten ist die Rede und das allein auf palästinensischer Seite.
Wie alle immer wieder betonen, wird es keine Sieger geben. Diese neuerliche Eskalation des Konflikts hin zu einem Bodenkrieg wird nur weiter Tote produzieren, neue psychische Verletzungen und neue kriegerische Ereignisse vorbereiten. Die Verlierer im heutigen Konflikt sind die Toten von Morgen.
Israelis und Palästinenser sind nicht in der Lage, das historische Erbe des Konflikts abzustreifen, um Frieden zu schließen. Hier wirkt ein Phänomen, das stärker ist als alle Vernunft: kollektive Blutrache. Für einen getöteten Israeli müssen dutzende Palästineser bluten. Warum? Welche Logik zwingt die Israelis und Palästinenser sich gegenseitig abzuschlachten? Das Existenzrecht Israels? Seit wann hat ein Staat mehr Existenzberechtigung als seine Bürger?
Ach, ich vergaß: Bürger wachsen nach, Staaten werden höchstens geteilt, aufgelöst und sind so für lange Zeit verloren. Da fällt mir spontan der Satz von John F. Kennedy ein: „Frag nicht, was dieses Land für dich tun kann, sondern frag dich, was du für dein Land tun kannst.“
Auch Kennedy hat Staaten, Länder, Gemeinschaften über das Wohl des Einzelnen, seine Bedürfnisse gestellt. Ist die Gemeinschaft bedroht, müssen die Bürger ran und Blutopfer bringen.
Ich halte das für ein Grundproblem aller kriegerischen Konflikte. Erst wenn wir bereit sind, die Menschheit als ganzes, als die einzige Gemeinschaft anzuerkennen, die es zu verteidigen gilt, werden Kriege enden. Nur wenn wir in der Lage sind den anderen, den Feind, den Gegner als Teil der eigenen gesellschaftlichen Kultur anzuerkennen, wird gesellschaftlicher Mord – und Krieg bedeutet nichts anderes – sanktionierbar.
Es ist unmöglich in kriegerischen Konflikten zu entscheiden, wer recht hat, wer die legitimen Waffen besitzt. Recht ist im Krieg undenkbar. Jeder Krieg ist widerrechtlich, weil er das Überleben auch derer bedroht, die er vermeintlich verteidigen möchte.
Wir werden in den künftigen Konflikten in Kleinasien noch zahlreiche Tote sehen. Heute, Morgen und in naher Zukunft, weil keine der Parteien in der Lage ist, über das historische Unrecht an der eigenen Gemeinschaft hinwegzusehen und den anderen als Teil eines größeren gemeinsamen Gemeinswesens zu betrachten.
Wo Feinde leben, herrscht Krieg.
Wo Freunde zusammenkommen, wäre Friede möglich.
Immer wieder kommen Kommentare auf diesem Blog vor, die ich im einzelnen nicht kommentieren möchte. Dennoch hier ein paar allgemeine Bemerkungen.
Ich bin mir ziemlich bewußt, daß ich entbehrlich bin, wie jede/r andere auch. Ich weiß natürlich, daß ein gerütteltes Maß an Arschloch auch in mir steckt. Natürlich bin ich mir bewußt, daß es den Grünen nicht einmal auffallen würde, wenn ich diesen Blog nicht mehr führen würde.
Der Partei würde dadurch auch nichts verloren gehen.
Doch das gilt für jeden von uns. Natürlich ist Eva Glawischnig auch entbehrlich. Natürlich würde es nicht lange auffallen, wenn die Grünen immer schwächer würden. Aber ich denke, daß es für politische Arbeit notwendig ist, sich zumindest manchmal als unentbehrlich zu fühlen, um diesen ganzen Politzirkus überhaupt mitzumachen.
Selbstbewußtsein, Selbstbehauptung, Angriffslust sind wichtige Eigenschaften, um in unserem politischen System zu überleben und etwas weiterzubringen.
Ich bin für Kritik immer empfänglich, wenn sie sich mit meinen Argumenten auseinandersetzt. Was ich für fatal halte, auch in der Politik, ist, wenn Menschen einfach pauschal unter der Gürtellinie argumentieren.
Es vergeht wohl keine Woche, in der ich mir nicht überlege, alle meine Aktivitäten einzustellen und mich wieder um mich selbst zu kümmern, meine Karriere, meinen ausgedehnten Spaziergängen, meinem Vormittagsfernsehkonsum, der Entwicklung meines Wohlstands, der Vermehrung meiner ökonomischen Rücklagen.
Aber worzu. Das alles kann ich nicht ind en Tod mitnehmen.
Günther Anders hat immer von der Übertreibung in Richtung Wahrheit gesprochen. Ich glaube nicht, daß ich im Besitz der Wahrheit bin, aber mit der Übertreibung können reale Verhältnisse besser beschrieben werden. Die Realität ist zu bizarr, um sie eins zu eins abzubilden, das würde ja kaum jemand glauben. Mit ein bißchen Sarkasmus, ein wenig Ironie und vielleicht einer Prise Humor wäre es leichter meinen Blog zu ertragen.
Und im Übrigen: Wer ihn nicht lesen will, muß ja nicht.
Also da wir Arschlöcher in der Bloggerszene ja unter uns sind, (die meisten haben ohenhin kaum Leser/innen): seien wir ein bißchen kulanter miteinander. Wir haben uns nichts vorzuwerfen, wenn wir uns ehrlich begegnen, argumentativ. Auch wenn die Arguemnte manchmal falsch sind, überzogen oder einfach auch nur blöd. Tauschen wir Argumente. Versuchen wir zumindest den Anschein einer Debatte aufrecht zu erhalten. Vielleicht entwickeln wir uns ja dann zu akzeptableren Arschlöchern und werden damit wirklich ein stückweit unentbehrlich.
Mit der Familie auf Reisen.
Es ist erschreckend wie die Zerstörung meiner Kindheitswelt voranschreitet. Manche Straßenzüge Wiens sind nicht wieder zu erkennen. Die Physiognomie der Stadt verändert sich. Die Erinnerung verblaßt und läßt sich nur noch schwer abrufen, wenn markante Eckpunkte fehlen. Manchmal fühle ich mich wie ein Emigrant, der nach Jahren in die Stadt seiner Kindheit zurückkehrt und nichts als Fremdheit vorfindet. Selbst hier im ländlichen Süden der Stadt hat sich das Bild mit einer Geschwindigkeit verändert, die mich manchmal schwindlig werden läßt.
Nicht umsonst gilt das dörfliche Leben als statisch, als konservativ, als bewahrend. In den letzten acht Jahren hat sich in St. Wolfgang nicht viel verändert, vielleicht ein Haus mehr, eine kleine Renovierung hie und da, ein neuer Wegweiser, aber das ganze Berge verschwinden, riesige Türme in Schutt gelegt werden, ist undenkbar.
Die Angst der Wolfganger vor Eingriffen in ihre Landschaft, in ihre Mentalität erscheint vor dem Hintergrund städtischer Veränderungsprozesse absurd. Auch wenn ihnen die möglichen Veränderungen bedrohlich erscheinen, es sind doch nur kosmetische Eingriffe. In der Substanz bleibt alles beim Alten.
Ich bin tatsächlich ein Emigrant.
Sentimentalitäten bewegen mich, wenn es um die Stadt meiner Kindheit geht; Gnadenlosigkeit bei der Betrachtung der Heimat meiner Kinder. Ich bin schnell bei der Sache, wenn ich mich darüber ärgere, warum sich in St. Wolfgang so wenig verändert, die Beharrungskräfte so groß sind, die Bewohner so stolz sind auf ihre gewachsenen Strukturen, die vieles an Entwicklungsmöglichkeiten behindern.
Ich bin aber auch ein städtischer Emigrant, den es ins Dorf verschlagen hat. Nein, es ist noch komplizierter. Ich bin ein städtischer Emigrant, der aus einem dörflich organisierten Gemeindebau in ein echtes Dorf verschlagen wurde.
Ich bin ein Emigrant der nie ein richtiger Stadtmensch war und auch keine Gelegenheit hatte eine ländliche Identität zu entwickeln. Ich bin ein Emigrant der im Nirgendirgendwo, im Weder-Noch lebt, seit Kindertagen an. Gefangen in einem Kosmos, der weder städtisch noch ländlich ist.
Wir reden soviel darüber, wie wir mit den Leuten verfahren sollen, die nach Europa oder nach Österreich kommen wollen. Wie wir mit straffällig gewordenen Ausländern umgehen sollen. Das ist doch grotesk. Natürlich sind die einen Inländer, weil sie zufällig das Glück hatten in Österreich geboren zu werden. Die Verteilung von Glück und Unglück äußert sich heutzutage durch das nationale Geburtstrauma. Wer zufällig in Aserbaidschan, in Georgien, in einem chinesichen Dorf oder in Zentralafrika geboren wurde hat einfach Pech gehabt. Ich habe Glück gehabt, da ich in Österreich in die Welt geworfen wurde.
Was sagt das über mich und meine Person aus? Gar nichts. Macht mich das zu einem besseren Menschen? Glaube ich nicht. Hab eich dadurch das Recht erwirkt bei Straffälligkeit bleiben zu dürfen? Ja. Aber wieso? Nur weil meine Mutter mich in Mödling rausgepreßt hat aus ihrem dicken Bauch und nicht in Kuala Lumpur? Na ja, ob ein Mensch das Recht hat zu bleiben oder bleiben muß, hängt ursächlich mit seiner nationalen Herkunft zusammen.
Das finden wir Grünen gerecht?
Auch so ein Defizit in der globalen Welt. Und wir Grünen? Was machen wir? Wir stützen ein deratiges nationales Abschieberecht, eine deratig nationale Bleiberechtspolitik. Der straffällig gewordene Österreicher muß bleiben, im österreichischen Gefängnis, der straffällig gewordene Ausländer muß gehen, in ein anderes Land, frei und abgeschoben.
Na ja, vielleicht nicht ganz so frei.
Ausbürgerung von Österreichern. Also wieso soll das nicht gehen. Jede/r Österreicher/in, der/die sich straffällig macht, soll ausgebürgert werden. Wohin. Scheißegal, illegal, national. Wohin auch immer. Die DDR-Führung hat ihre Leute auch einfach über die Grenze gebracht und ausgesetzt, wenn sie ihnen nicht mehr gepaßt hat. Weg mit all den unnützen Arbeitslosen, den Obdachlosen, den korrupten Politikern, den straffälligen Jugendlichen. Zuerst in ein Lager, dann ab über die Grenze.
Das wäre was. Da würde die Angst umgehen unter den Bürgern dieses Landes. Keine Sicherheiten mehr. Ich höre sie schon schreien: Nicht ich, ich bin doch Österreicher! Ja, das wäre eine Lektion, wenn die Leute erfahren könnten, was es heißt heimatlos, Emigrant, Exilant zu sein. Vielleicht sind wir so intolerant, weil wir uns zuwenig mit Vertreibung beschäftigen, weil wir hier so heimisch heimelig leben.
Siebzig Jahre ist es her, daß unsere Vorfahren, unsere Verwandten, die Mitbürger europäischer Staaten zu Millionen in Europa und auf der Welt unterwegs waren, auf der Flucht, verstoßen auf der Suche nach Heimat, nach Sicherheit.
Was ist los in dieser Partei?
Sind wir verrückt geworden?
Sind wir so im Rausch des Eigenen, daß wir das Fremde verstoßen?
Also wirklich. Jeder der weggeht und wo anders strandet, braucht Schutz, Sicherheit, Heimat. Ohne Ansehen der Person. Lernen wir aus der Vergangenheit?
Wenn wir bereit sind Verbrecher, die Asylwerber sind, zehn Jahre in diesem Land gelebt haben, abzuschieben, dann bitte auch die eigenen Verbrecher. Sollen sie doch staatenlos werden.
Was schert es mich. Ansonsten, wer das nicht vertreten kann, soll rücksichtsvoll mit dieser Debatte umgehen. Global denken,
nationale Geburtrechte bekämpfen, wo sie einem begegnen. Die Nation macht Menschen zu Ausländern, die Politik fördert diese Grausamkeit.
Da sind die Grünen nicht viel anders.
Natürlich gibt es einen Richtungsstreit. Er ist nicht zu übersehen. Und wenn wir nicht aufpassen, wird er uns in die Bedeutungslosigkeit stürzen. Worum geht es dabei? Letztlich geht es um Kleinigkeiten, zum Beispiel um folgende Fragestellungen, die nur eine willkürliche Auswahl darstellt, aber duchaus zeigt, wie schwierig und schwerwiegend die Krise der Grünen ist.
Wie spreche ich ein Arschloch korrekt an
Was bitte ist politisch korrekt. Ist es politisch korrekt jemanden als Arschloch zu beschimpfen? Und wie machen wir das richtig? Also ein Arschloch ist ein Arschloch ist ein Arschloch. Arschlöcher gibt es all überall. Sie zu benennen macht Spaß. Sie zu bekämpfen ist gefährlich. Sich gegen sie zu stellen, kann einem mal schon das Leben kosten.
Es gibt weibliche Arschlöcher. Es gibt Grüne Arschlöscher. Warum soll es nicht auch türkische Arschlöcher geben. Vor allem wenn es Türken sind, die auf ihrem Nationalismus herumreiten. Wer sich als Türke verteidigt, soll auch als Türke angegriffen werden. Ich würde auch jederzeit einem Österreicher sagen, du bist ein österreichisches Arschloch, wenn er glaubt diese Nation verteidigen zu müssen. Wir Grünen stecken tief im nationalistischen Sumpf. Wir verteidigen dieses Land, weil wir in ihm geboren sind.
Das aber ist Zufall. Was macht Österreich zu meiner Heimat. Lediglich nur der Geburtsort. Sozial, wirtschaftlich, politisch finde ich nicht, daß in diesem Land dieses Land meine Träume von einer gerechten, einem guten, einem freidlichen Zusammenleben verwirklicht sind. Ich weiß ja nicht, was das nationale Gerede der Grünen im Zusammenhang mit der Ausländerfrage für einen Sinn macht? Ausländer, Inländer, Verbrecher und brave Bürger? Warum diese Spaltung?
Wir diskutieren manchmal, wie wir ein Arschloch korrekt ansprechen können. Sagen wir ihm einfach, daß er ein Arschloch ist. Stecken wir die Faustschläge, die es uns einbringt weg und sagen wir es ihm so oft, bis er es begreift.
Ich finde es darf keine Kooperation mit Arschlöchern geben, weder mit reichen, noch mit weiblichen, noch mit nationalistischen noch mir armen, noch mit männlichen, noch mit weltbewegten und schon gar nicht mit grünen.
Der Revolutionsbräuhof an der Universität Wien hatte mal eine Losung: Oasch is Oasch. Da kann ich nur sagen. Ein Arschloch ist ein Arschloch ist ein Arschloch. Treten wir ihm in den Hintern und sagen wir ihm, was wir von ihm halten. Möglichst politisch unkorrekt, damit er spürt, wie die Scheiße in seinem Hirn hin und her schwappt.
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