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Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
Zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich an Krankheiten und Unterernährung, nein werden getötet, weil wir es unterlassen, ihnen beizustehen.
Was ist das für eine Welt, in der wir leben. Alle drei Sekunden ein Kind haben die Statistiker errechnet. Und schon wieder haben wir ein Kind über die Klinge springen lassen, und schon wieder, und schon wieder …
Wir revoltieren gegen die Vorstellung, daß im zweiten Weltkrieg in sechs Jahren sieben Millionen Juden, Zigeuner und Kommunisten vernichtet wurden, wahnhaft und zwanghaft. In uns scheint wenig Revoltepotential übrig geblieben zu sein, für die zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren, geschweige denn für die Millionen, die Jahr für Jahr sterben, zu Toten gemacht werden.
Wir trauern um die vergangenen Toten, weil wir nicht mehr in der Lage sind, uns mit der millionenfachen Totenproduktion unserer Zeit auseinanderzusetzen. Wir laufen den Toten immer hinterher. Kaum haben wir ein paar betrauert, lauern die nächsten Hunderttausend auf uns. Und so werden wir nie dazu kommen, uns mit den möglichen Toten in der Zukunft zu beschäftigen, um vielleicht einmal ein paar Millionen zu retten.
Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Menschheit?
Daran habe ich so meine Zweifel.
Wenn wir die Menschheit retten, retten wir jeden Einzelnen.
Ich denke, wir sollten aus der gesellschaftlichen Defensive treten und uns endlich mal wieder ein paar unerreichbare Ziele stecken, um dann vielleicht doch zu einer Gesellschaft durchzudringen, in der die Menschen auf angenehme Weise sterben dürfen, anstatt massenhaft getötet zu werden.
Das Totenjournal verzeichnet die Toten, die mir allüberall begegnet sind, die mich umgeben, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, daß meine gesellschaftlichen und persönlichen Toten in all dem Lebenskult, der mich umgibt, nicht untergehen.
Ein Lebenskultur der mit dem Jugendwahn beginnt, sich fortsetzt beim verzweifelten Versuch der Alten, ihr Leben um ein paar Jahre zu verlängern und beim technisch-medizinischen Wahn endet, Leben in die Unendlichkeit zu verlängern.
Ich möchte mich der Toten erinnern, sie dokumentieren, sie nicht aus den Augen verlieren, um nicht meinem eigenen, bevorstehenden Tod zu vergessen.
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