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Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
Langsam tag für tag erholte sich mein gehirn. Mein wunsch zu lesen über etwas nachzudenken kehrte langsam zurück. Schreiben war nicht so wichtig. Denken schien mir plötzlich wichtiger. Dazu kamen grauenvolle schmerzen im knie. Die bis jetzt nicht verschwunden sind. So ist das mit dem alter: Die schmerzen kommen und gehen aber ganz weg bleiben sie nie mehr.
Den blick über das meer wandern zu lassen. Der einfache genuß der horizontlosigkeit. Genuß des nacktseins. Die warme luft auf der haut. Das meer in unmittelbarer nähe. Der tag zieht vorüber. Nichts muß festgehalten werden. Nichts muß aufgehalten werden. Keine erledigungen warten auf mich. Keine ansprüche die erfüllt werden müssen. Nur alltägliche grundversorgung und das warten darauf daß die zeit vergeht.
Auch ohne mich.Verlegen ist ein überaus interessantes wort.
In einem verlag werden bücher verlegt und meint damit sie hervorzubringen. Verlegen als zur kenntnis bringen. Texte öffentlich und damit zugänglich machen.
Im alltag hingegen bedeutet verlegen etwas zu verbergen. Etwas nicht mehr auffinden zu können. Den Ort an dem es sich befindet vergessen zu haben.
In liebesdingen hat das wort die bedeutung von schamhaftigkeit oder unsicherheit anderen menschen gegenüber. Es drückt ein wollen aus das nicht so richtig frei sein kann.
Vielleicht ist es ja auch diese mehrdeutigkeit der sprache die mich am schreiben so fasziniert. Eine mehrdeutigkeit die auf die mehrdeutigkeit der existenz verweist. Sprache bedeutet existenz. Wie das leben ist auch de sprache nicht eindeutig. Sie wäre ja sonst einer mehrdeutigen existenz gar nicht gewachsen.
Gleichzeitig ist aber die mehrdeutigkeit von existenz und sprache auch das größte problem und die größte herausforderung für die menschen. Genau auf grund der merhdeutigkeit kommt es tag für tag zu tausendfachen mißverständnissen. Kein wunder wenn zwei mehrdeutige existenzen aufeinandertreffen die sich zweier unterschiedlicher und mehrdeutiger sprachgebräuche bedienen.
Da sist die eigentliche tragik abendländischer kultur: sie will die mehrdeutigkeit von sprache und existenz nicht anerkennen. Sie sucht nach eindeutigkeit wo keine zu finden ist.
In dieser suche nach eindeutigkeit wird sie letztlich auch untergehen.
Diesen artikel habe ich letztes jahr am 21. oktober geschrieben. Damals haben sie mich alle ausgelacht in st.wolfgang. Ich weiß nicht ob ihnen heute noch zum lachen zumute ist. Mir jedenfalls vergeht das lachen manchmal.
Wird die finanzkrise auswirkungen auf st. wolfgang haben? Könnte sein. Wenn wir die medien aufmerksam verfolgen scheint es mit den fetten jahren vorbei zu sein. Wenn die arbeitslosigkeit steigt die kaufkraft sinkt wo werden die leute als erstes sparen? Bei den kurztrips bei den wochenendausflügen. Schon jetzt ist in st. wolfgang zu spüren daß der tagesgast deutlich weniger geld ausgibt als noch vor zehn Jahren. Die umsätze der geschäfte sinken kontinuierlich.
Können wir daraus eine lehre ziehen? Wohl kaum.
Solange unser wirtschaft auf permanente expansion gerichtet ist wird es immer wieder zu derartigen krisen kommen. Der kapitalistische kuchen ist nun mal nicht groß genug für alle. Die armutsfalle wartet auf uns. Manche werden ihr entkommen die das glück hatten in guten zeiten die richtigen geschäfte gemacht zu haben. Manche werden pech haben weil sie es nie geschafft haben einen wohlstandspolster anzulegen. Keine immobilien gekauft. Keine Grundstücke. Keinen betrieb geerbt.
Das ist noch nicht das ende der fahnenstange prophezeien alle. Sicher sollten wir auf prophetie nicht allzuviel geben. Aber die krisen kommen in immer kürzeren abständen. Sie kommen in fünf jahresrythmen fast so als würden wir uns in einer sozialistischen planwirtschaft befinden. Das ist das eigentlich besorgniserregende an der derzeitigen situation.
Und st. wolfgang?
Bei uns ist es beschaulich und gemütlich. Doch diese gemütlichkeit wird ein ende finden ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Spätestens wenn die nächste krise auf die realwirtschaft durchschlägt. Die touristen werden sich nicht ewig melken lassen. Irgendwann ist schluß mit dem mehrwert. Dann werden wir uns bescheiden müssen mit dem notwendigen und keine machbarkeiten mehr herbeireden können wie es politiker aller coleur immer wieder versuchen.
Früher oder später wird die krise nicht nur die realwirtschaft erreichen sondern auch die staaten in ihrem mark erschüttern. Island ist ein gutes beispiel dafür. Und wenn der staat erst einmal getroffen ist trifft es auch die bundesländer und von dort schlägt es auf die gemeinden durch. Irgendwer wird für all die werte die derzeit vernichtet werden, geradestehen müssen. Und es werden nicht die großen banken sein. Es werden nicht die großen industrien sein. Es werden die arbeiter sein. Die kleinen betriebe. Die einzelunternehmer.
Ich wünsche euch viel glück und einen guten rutsch durch die krise.
Ich weiß nicht ob es oft passiert daß ein verleger gleichzeitig ein autor sein will. Aus der not der letzten jahrzehnte sind solche existenzen vielleicht öfter hervorgegangen wie der literaturszene gut tut. Es ist schwierig beide existenzen des literaturbetriebes unter einen hut zu bringen. Schließlich will ich ja beide funktionen gleich professionell betreiben. Und als verleger bin ich ja dazu gezwungen permanent mit anderen autoren und autorinnen zu kommunizieren oft auch ihre schriftstellerische kompetenz anzuerkennen. Das tut dem selbstbewußtsein des autors in mir nicht immer gut auch wenn es meinem schreiben nützt. Autoren sind zudem unglaublich fordernd wenn es um ihre eigenen werke und ihre ansprüche an einen kleinverleger wie mich geht. Sie verlangen wie selbstverständlich all das von ihrem verleger was sie gleuben mit fug un drecht als inhaber ihres geistigen eigentums erwarten zu können. Ich denke sie hätten recht wenn die welt noch so funktionieren würde wie im zwanzigsten jahrhundert.
Es ist seltsam als verleger immer auf der suche nach guten büchern zu sein die ich als autor immer selbst geren geschrieben hätte. Ablehnungen zu verteilen die ich selbst ungern von einem verleger hören will. Lob zu geben von dem ich oft glaube es würd emir zustehen.
Und dann gibt es tage da erhebe ich als verleger gegen mich selbst als autor ansprüche und frage mich: darf ich diesen text von mir verlegen? Werden sie nicht wieder über mich herfallen und sagen: hat er wieder keinen anderen verlag für seine bücher gefunden? Muß er wieder alles selber publizieren?
Die frage ist doch aber: warum habe ich einen verlag gegründet?. Sicher nicht um reich zu werden. Aber auch nicht um dann meine eigenen texte meine eigenen urheberrechte an einen anderen kleinverlag oder mittelverlag abzutreten und sie dort verkommen zu lassen. Da ist es schon besser die bücher verstauben bei mir im büro. Da weiß ich zumindets daß sorgsam mit ihnen umgegangen wird. Gekauft werden sie ja da und dort nicht.
Letztlich ist es wie in jedem anderen geschäft: der autor schreibt der verleger besitzt am schluß das produkt. Ich bin letztlich trotz aller schwierigkeiten in eine beneidenswerte lage geraten: ich schreibe und verlege.
Manchmal auch meine eigenen texte.
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