Änderungen

Ich bitte alle meine treuen leserinnen und leser um Verständnis dafür daß mein blog umbenannt werden mußte. Mein premiumaccount lief aus und ich habe es übersehen. Der bisherige name hadesblog.com war nicht mehr verfügbar daher kam es zur Änderung.
Ich danke für euer verständnis.

St. Wolfgangjournal

Sonntag, 7. dezember 2008 7 07 /12 /2008 14:35

Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schnees Einsamkeit

Steigts wie wunderbares Singen –

O du gnadenreiche Zeit!

(Joseph von Eichendorff)

 

Die vierte Strophe von Eichendorffs Gedicht beschreibt einen Winterabend, vielleicht sogar den Heiligen Abend. Vielleicht den vierten Advent. Was in den letzten zwei Jahren und auch in diesem Jahr bisher gefehlt hat, um Adventstimmung aufkommen zu lassen, ist der Schnee, ist die Einsamkeit der klirrenden Kälte. Was ich erlebe, ist dieses grausame Wetter, daß ich schon aus Wien kenne. Ein wenig mehr als Null Grad und dazu Regen.

Regen, nichts als Regen.

Da wirken die Adventmärkte, die in ihren Autos anreisenden städtischen Masseneremiten noch deplazierter.

Keine Sterne, die hoch oben ihre Kreise drehen, kein wunderbares Singen hebt in den Häusern, in den Kirchen, in den Hütten an.

Und ob wir heuer eine gnadenreiche Zeit erleben werden?

Wer sollten denn die Gerechten da draußen sein, die Gande walten lassen. Wer sollte uns denn die Zeit schenken, die wir benötigen, um schöne Tage zu verbringen, sorgenlos, frei und ungezwungen.

Ich befürchte, das nächste Jahr wird wieder zahllose Grausamkeiten für uns bereit halten, die es mir unmöglich machen werden, mich zurückzulehnen, ein gutes Buch zu lesen und die Welt sich selbst zu überlassen.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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Mittwoch, 3. dezember 2008 3 03 /12 /2008 07:00

Mir wurde mitgeteilt, daß sich meine Aktivitäten im Internet, in Bezug auf St. Wolfgang sich nicht mit meiner Obmannschaft im Elternverein des Kindergartens verträgt. Ich trete daher mit sofortiger Wirkung als Obmann zurück, um nicht weiter „unseren“ Kindern zu schaden.

Der Kindergarten bräuchte eine dringende Sanierung, bräuchte die dringende Behebung der gröbsten Sicherheitsmängel. Wenn heute ein Kind gegen die Fensterscheibe fällt und sie bricht, stürtzt es direkt in den Hof, da die Fenster kein Sicherheitsglas besitzen. Die Ecken und die Kanten, die ich im Kindergarten nach wie vor vorfinde, sind eine ewige Verletzungsquelle. Die Sicherheitsmängel wären immer weiter fortsetztbar.

Leider muß die Gemeinde ja noch zuwarten, da wir kein Geld dafür haben.

Besorgte Bürger/innen meinen, ich solle mich aus der Politik raushalten, weil ich doch nur Unsinn verzapfe.

Es sollten mir bitte die aufrechten und engagierten Bürger und Bürgerinnen erklären, die sich so um unsere Kinder sorgen, warum tausende Euro für Straßenlampen und Umgestaltungen des Ortes ausgegeben werden, aber für Sanierungen der Kindergartens fehlt das Geld.

Na gut, wir sind ja eine Tourismusgemeinde. Da muß der Rubel rollen, die Kassen müssen prall gefüllt werden und die Gäste sind nun mal wichtiger als unsere Kinder.

Das habe ich jetzt schon mehrmals erlebt, wie der Gast vorrang hat. Ob wir mit so einer Vorbildwirkung wirklich das Beste für usnere Kinder tun?

Da bin ich mir nicht sicher.

 

Wem das Wohl unserer Kinder wirklich wichtig ist, soll nicht sudern, sondern sich im Elternverein engagieren und dafür sorgen, daß wir in Ruhe unseren Geschäften nachgehen können, ohne Angst haben zu müssen, nur weil der Kindergarten vor Baumängeln strotzt.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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Dienstag, 2. dezember 2008 2 02 /12 /2008 11:28

Heute bekam ich das mail einer aufgebrachten Bürgerin, die mir mitteilte, ob ich denn nicht kapiert hätte, daß wir in St. Wolfgang vom Tourismus leben. Was sie mir damit genau sagen wollte, weiß ich nicht.

Und ich würde nicht auf Gegenliebe stoßen mit meinen Aktivitäten.

Das habe ich auch nie erwartet. Ich bin ja nicht naiv. Noch dazu in einem Ort wie St. Wolfgang, wo der Absolutismus nie abgeschafft wurde, sondern muntere Urständ feiert. Bin schon gespannt, wie diese Dame reagiert, wenn Hannes Peinsteiner noch sechs Jahre regiert. Vielleicht findet die ÖVP ja einen oder vielleicht ja mal eine Neue.

Gleichzeitig hat die besagte Bürgerin mir mitgeteilt, daß einige Dinge im Argen liegen, doch ich würde nicht kritisieren, sondern alles nur pauschal schlecht machen. Na ja, ich weiß nicht. Hat sie damit recht? Vielleicht.

Wenn dem so sein sollte, muß ich in mich gehen.

Und sie ist der Meinung, ich würde nicht im Interesse unserer Kinder handeln. Na ja, das Interesse unserer Kinder bestimmt nun mal nicht jeder für sich alleine. Sich alles gefallen zu lassen, zu Hause in seinem Betrieb zu sitzen und auf die Kohle zu schielen, kann auch nicht im Interesse unserer Kinder sein. Ich weiß gar nicht welches „uns“ sie damit überhaupt meint.

 

Und gerade die Frauen sind mir ja die liebsten in St. Wolfgang. Wie gerne überlassen sie die Politik den Männern und unterwerfen sich ihrem absolutischen Diktat. 25 Gemeinderäte, eine Frau. Das sagt glaube ich alles. Politik ist eben Männersache.

Ja, sudern ist leicht. Sich über jemand zu beschweren, der sich zumindest schriftlich wehrt, der versucht etwas auf die Beien zu bringen, ist auch leicht. Selbst aktiv zu sein, auf ein wenig vom Profit, den man aus dem Tourismus zieht, zu verzichten, zu gunsten einer Politik für „unsere“ Kinder, das ist schwer und will gelernt sein.

 

Also Kritik von Leuten, die sich engagieren, auch für eine politische Gegenposition, lasse ich gerne gelten. Von den Bürgerinnen, die nur stillhalten, sudern und ihre eigene Profitsuppe kochen, laß ich mich nicht irritieren.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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Dienstag, 25. november 2008 2 25 /11 /2008 16:00

Und ich wandre aus den Mauern,

Bis hinaus ins freie Feld,

Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!

Wie so weit und still die Welt!

(Josef von Eichendorff)

 

Ja, hinauswandern aus den Mauern. Dazu müßte ich in St. Wolfgang über die Berge steigen, hoch hinauf, um hinabzublicken in die weiten Ebenen, die sich auftun. In die weiten Felder, die sich gegen Osten ausdehnen. Ob ich dort hehres Glänzen entdecken werde oder heil‘ges Schauern?

Ich weiß es nicht.

Der Blick zurück wird mich jedoch versöhnen, weil von dort oben, von den Bergen aus gesehen, der beleuchtete Ort tatsächlich weit und still wirkt. Aus der Entfernung wird das Nahe plötzlich weit und ich kann mich versöhnen mit dem Trubel und der Eile der Menschen unten im Tal.

Vielleicht sind die Menschen damals auch so gerne aus der Stadt gewandert, auf die Berge gestiegen, um der Nähe zu entkommen, um ein Stück weit Distanz zwischen sich und ihren Alltag zu legen, der ja nicht immer nur Glück bedeutet, eitel Wonne mit sich bringt.

Entfernung bringt ja auch Abwesenheit mit sich.

Und in der Rückkehr entpuppt sich die Heimat als Sehnsucht.

Wer nie weggeht, kann nicht beurteilen, was er hat.

Wer nie zurückkehrt, kann nicht beurteilen, was sich verändert.

Nur wer geht und zurückkehrt, bleibt in Bewegung, kann das Althergebrachte verändern und das Unveränderte schätzen.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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Dienstag, 25. november 2008 2 25 /11 /2008 07:00

An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeug fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.

(Joseph von Eichendorff)

 

Das mit den Fenstern bunt geschmückt, ist so eine Sache. Buntes Spielzeug ist schon lange nicht mehr auf den Adventmärkten zu finden und in den Fenstern hängen lediglich ein paar Weihnachtskugeln. Tausend Kindlein stehen auch nicht und schauen, sondern quengeln: Das wünsch ich mir und das und das und das… Woher sollen sie es auch besser wissen, wenn wir Erwachsenen ihnen den Konsumterror vorleben.

Ich brauch ja nur am Samstag oder einem beliebigen Wochentag nach Salzburg in den Europark fahren und sehen wieviel Leute da unterwegs sind. So als gäbe es da was umsonst. Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen fahren in die Einkaufszentren, weil sie nichts mehr miteinander anzufangen wissen. Was finden sie dort? Die Luft ist schlecht, die Waren zu teuer und wir kriegen vor allem Dinge, die die Welt schon vor zwanzig Jahren nicht gebraucht hat. Aber daraus zieht die Konsumgesellschaft ja auch ihre Attraktivität: Waren produzieren, anbieten und kaufen. Waren, die wir in Wahrheit nicht brauchen. Tausende entbehrliche Dienstleistungen.

Ich weiß schon, der Wirtschaftsmotor würde nicht brummen, wenn wir nicht konsumieren würden. Aber vielleicht bräuchten wir auch nicht so viel Geld, wenn wir nicht so viel konsumieren würden. Wir bräuchten nicht so viel produzieren, wir würden nicht so viele Ressourcen verbrauchen und letztlich auch nicht so viel arbeiten müssen. Wir könnten die anfallende Arbeit gerechter verteilen und vielleicht würden wir alle ein Stück weit zufriedener und ausgeglichener werden. Das wiederum würde sich auf das Gesundheitssystem auswirken, denn ausgeglichene, zufriedene Menschen werden nicht so oft krank und brauchen weniger medizinische Versorgung, was wiederum das Gesundheitssystem ökonomisch entlasten würde.

Da könnten wir noch weitere Dominosteine finden, wenn wir ein wenig Konsumverzeicht üben würden, nicht nur zu unserem, sondern auch zum Wohl der anderen.

Und das mit dem Beglückt-Sein, ist auch so eine Sache. Kaum haben wir ein Stück Glück erstanden in den Kauftempeln der modernen Konsumgeselslchaft, gehen wir schon wieder auf die Jagd nach dem nächsten.

Die Warengesellschaft bietet unglaubliche Suchtpotentiale: Handysucht, Spielsucht, Kaufsucht, Sexsucht, Internetsucht und vieles mehr. Der Kick hält nicht lange. Durch die Verfügbarkeit aller Waren und Menschen jederzeit und überall, haben wir das Staunen verlernt.

von Raimund Bahr - veröffentlicht in: St. Wolfgangjournal
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