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Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
„Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.“
(Joseph von Eichendorff)
Die Adventzeit gehört zu meiner Lieblingszeit im Jahr, gleich nach diesen heißen, flirrenden Sommertagen, wenn alles träge im Schatten liegt und darauf wartet, daß der laue Sommerabend kommt, um noch eine runde ums Haus zu drehen.
Und eng verbunden ist diese Zeit mit dem Gedicht von Joseph Eichendorff. Leider ist es, seit es den Adventmarkt von St. Wolfgang gibt, nichts mehr mit dieser besinnlichen Zeit. Markt und Straßen stehen schon lange nicht mehr verlassen, die Häuser sind weder still noch sind sie hell erleuchtet. Sinnend durch die Gassen gehen zu können, setzt ja voraus, daß sie leer und still sind. Ein festliches Aussehen gibt es, aber es ist ein falsches Fest, das wir hier feiern. Es ist ein Fest des Profits. Leuchtend hell erstrahlen hier nur die Augen abends, wenn es ans Geld zählen geht, wenn es daran geht, den pofit zur Bank zu bringen, den man den besinnlich Gestimmten abgerungen hat.
Die festliche Stimmung ist nicht für uns allein gemacht, damit sind die Touristen gemeint, die einsamen Konsumflüchtlinge aus den großen Städten, die schon längst keine Märkte und stillen Straßen mehr kennen, die auf Adventmärkten suchen, was sie in ihrer Kindheit noch hatten, stille Besinnlichkeit.
Diese laut schreiende Besinnlichkeit ertränken wir nun in Punsch und Glühwein und schieben noch schnell eine Bratwurst hinten nach, damit wir nicht gleich aus den Latschen kippen, von dem Zuckerschock, den wir dadurch erleiden.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will nicht in Eichendorffs zeiten gelebt haben, da wäre ich wahrscheinlich ein armer geprügelter Hund gewesen, der nirgendwo einen Fuß auf die Matte gekriegt hätte. Aber in der heutigen Zeit zu leben, wenn ich auf der Suche nach Ruhe und Stille bin, ist auch nicht recht einfach.
Vor allem nicht in St. Wolfgang.
Vor allem nicht an den Adventwochenenden.
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