Änderungen
Ich danke für euer verständnis.
Wir sind alle schon tot, nur wir wissen es noch nicht.
Im zuge der aufarbeitung meines vorlasses und späteren nachlasses muß ich mich meinem eigenen leben stellen. Es ist seltsam texte aus fünfundzwanzig jahren zu lesen. Seltsam wie fremd ich mir selbst geworden bin über all die jahre. So als hätte ich mehrere leben gehabt. Das eine getrennt von dem anderen. Wie günther anders schon sagte: nicht vita (ein leben) sondern vitae (mehrere leben). Vielleicht bin ich ja auch nichts weiter als ein exilant und dachte bisher ein emmigrant zu sein.
Meine tagebücher und notizen muten mir fremd an. Natürlich weiß ich daß ich das alles geschrieben habe. Es gäbe noch soviel zu sagen. Heute. Aus der distanz betrachtet. Jetzt wird mir auch langsam klar warum wissenschaftler autobiographische zeugnisse nur kommentiert herausgeben. Es wäre wichtig meinen vorlaß zu kommentieren. Und dann bleibt da noch die peinlichkeit der naivität mit der ich früher mein leben gelebt habe. Unter dem gesichtspunkt der geschichte wirkt es manchmal gar nicht wie ein leben sondern eher wie ein kinobesuch.
Habe begonnen meinen vorlaß den späteren nachlaß zu digitalisieren begonnen. Manche halten das für größenwahn. Nach meinen erfahrungen mit nachlässen in archiven halte ich das für unabdingbar wenn auch nur igrendetwas von mir übrig bleiben soll. Natürlich könnten die leute einwänden: warum eigentlich soll was übrig bleiben? Wer sollte sich dafür interessieren. Es geht ja nicht um das ob sondern um das kann. Wenn jemand will dann kann er. Wenn niemand will habe ich zumindest eine beschäftigung gehabt.
Ich will mein leben in geordneten verhältnissen übergeben. Wenn sich schon in meinem leben keine ordnung einstellt sollte zumindets in meinen hinterlassenschaften eine gewisse ordnung herrschen.
Um das grandiose panorama einer winterlandschaft zu genießen muß ich nicht auf sportgeräte zurückgreifen. Eine schneewanderung per pedes tut es auch. Vor allem nachts wenn alles ruhig ist und nur mehr wenige lichter in den häusern leuchten macht das spuren ziehen besonders viel spaß. Wenn die schneekristalle unter den schuhen knirschend zerbersten. Oder alleine am seeufer entlang zu spazieren. Gut verpackt und warm gehalten.
Vor allem einer wie ich der in einem sommertourismusort wohnt weiß die stille des winters zu schätzen. Auch wenn sie einem nach und nach durch den ganzjahrestourismus geraubt wird. Jänner und februar sind die einzigen monate in denen ein rückzug noch möglich ist. Wer im sommer in der flut der menschen zu ersticken droht genießt die stille des winters.
Ich habe nicht das bedürfnis mich in die wintermassen zu stürzen. Mich an skiliften hinter deutschen und holländischen gästen einzureihen. Mich als tourist auf skihütten herumzutreiben und die berge unsicher zu machen. Ich wäre nicht besser als die sommerhorden bei uns.
In unserer heutigen massentouristischen zeit sehne ich mich nach einsamkeit. Viele sind süchtig geworden nach der massenkultur. Nicht nur die interntegeneration die ganze hallen füllt um miteinander zu spielen. Die menschen sind süchtig nach spielen. Süchtig nach sport. Süchtig nach restaurantbesuchen. Süchtig nach musik. Süchtig nach filmen. Neben all diesen süchten und den kosten die dadurch verursacht werden nimmt sich die drogensucht noch als eines unserer geringsten gesellschaftlichen probleme aus.
Und ich nehme mich selbst nicht dabei aus.
Auch ich bin süchtig. Süchtig nach ruhe. Süchtig nach stille. Süchtig nach langsamkeit. Süchtig nach beschaulichkeit. Süchtig nach nächtlichem schneefall. Süchtig nach der ersten spur im schnee. Süchtig nach einkehr. Süchtig nach einem leben und denken das jenseits der massenkultur möglich ist.
„Wir müssen die Lehrer anhalten, dass im Turnunterricht auch Ski gefahren wird. Da muss man den Druck erhöhen.“ (Peter Zellmann. Tourismusforscher. Salzburger Nachrichten. 18.10.2009. S.17)
Was bitte ist das für eine sprache der sich da ein toursimusforscher bedient. Es ist die sprache der lobbyisten. Die lehrer sollen angehalten werden. Der druck soll erhöht werden.
Warum eigentlich? Wenn die eltern schon keine skifahrer sind warum müssen dann ihre kinder welche werden? Um den heimischen tourismus zu retten? Soll er sich doch umstellen. Warum müssen immer die konsumenten flexibel sein.
Ich habe da nie verstanden. Anstellen am lift. Selbst bei schlechtestem wetter. Bei nebel. Bei regen. Bei eisig kaltem wind. Ich kann mich noch an meine skikurs erinnern. Da ist wenig freudige erinnerung. Eher bilder des schreckens. kasernierung mit pubertierenden halbwüchsigen. Vielleicht rührt daher auch meine aversion gegen jegliche form des militarismus.
Warum sollen die lehrer und lehrerinnen die lobby der tourismuswirtschaft sein? Da könnten wir sie ja ebenso zwingen lobbyisten der fernreiseanbieter zu werden oder der medienwirtschaft oder der automobilindustrie.
Skifahren wird eines tages eine randsportart für die besserverdiener sein. Am besten wir gewöhnen uns schon mal dran. Die touristiker sollten nicht nach zwangsmaßnahmen rufen sondern sich auf das veränderte sportverhalten der menschen einstellen. Und das möglichst rasch. Nur wer bereit ist oder es sich leisten kann die kosten der beschneeiung und des hallenbaus plus kühlung zu bezahlen wird sich dieses vergnügen in zukunft gönnen. Skifahrer werden im selben ausmaß abnhemen wie auf den bergen die beschneiungsanlagen zunehmen und die schneesicherheit schwindet.
Fakt ist: für eine woche skiurlaub kann ich zwei wochen sommerurlaub machen. Bei einem land in dem der winter oft bis zu sieben wochen dauern kann fällt mir persönlich die wahl nicht schwer.
Vor ein paar tagen mit einer politischen freundin ein gespräch über ehrlichkeit in der politik geführt. In fernsehen dann einen bericht über die rede an die nation unseres finanzministers pröll gesehen.
Darin sagt eine politikberaterin: menschen können erkennen wie ehrlich politiker sind. An hand ihrer gestik und mimik.
Ich denke die menschen wollen nicht länger belogen werden.
Wähler sind nicht dumm.
Politiker hingegen lügen weil sie keine stimme verlieren wollen. Verleugnen und verdrängen korumpiert die politik aber im selben ausmaß wie die lüge. Das verschweigen von unangenehmen tatsachen läßt die menschen der politik überdrüssig werden.
Frage in der bezirksrundschau zur oberösterreichischen landtagswahl: Glauben sie daß die wahlversprechen der parteien nach der wahl gehalten werden? Ein hoher prozentsatz verneinte das. Ein hoher prozentsatz der gefragten geht also schon vor der wahl davon aus daß sie belogen werden.
Das ist der tod der demokratie.
Wenn die wählerinnen und wähler die lügen satt haben und nur mehr aus einem demokratischen reflex zur wahlgehen ist das system am ende. Letztlich ist es egal wen sie wählen da sie ohenhin keinem mehr glauben.
Nur so sind die erfolge der övp zu erklären oder auch der fpö.
Sie wählen wer am meisten verspricht weil auch hier der demokratische reflex von kreisky nachwirkt. Wer verspricht der hält auch wenn es geld kostet.
Diese zeiten sind vorbei.
Heute wissen wir: wer verspricht der bricht.
Politik braucht wieder ehrlichkeit. Wie oft habe ich diese binsenwahrheit in den letzten jahren schon gehört. Doch kaum jemand ist bereit sich weit aus dem fenster zu lehnen und machtverlust hinzunehmen. Außer vielleicht denen die keine haben.
Doch die Wahrheit ist den menschen zumutbar.
Das war sie immer schon. Auch wenn sich politikerinnen und politiker damit keine freunde machen.
Es gibt sie noch die aufrechten. Doch sie werden immer weniger. Trotz der gutmenschen in vielen parteien zerfranst und zerfasert die demokratie. An den rändern der gesellschaft hat sie ohnehin keine befürworter mehr.
Es wird jahrzehnte dauern die verlorene glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.
Möge die macht mit uns sein.
Möge die gnade der wählerinnen und wähler mit uns sein.
Möge der glaube mit uns sein daß politik ein gutes geschäft ist. Ein geschäft das nicht von egomanie machtgeilheit und geldvorteil bestimmt werden muß.
Möge der mut mit uns sein zu sagen was zu sagen ist. Manchmal auch gegen die eigene angst oder vor dem verlust von freundschaften. Manchmal auch gegen die eigene bequemlichkeit. Manchmal auch gegen den unbedingten machterhalt.
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